Nutzung von Flächen in der Landschaft

Bauen und mehr in der Landschaft

Naturschutz und Landschaftspflege spielen auch beim Errichten von baulichen Anlagen wie Ställen oder Unterständen, beim Lagern von Brennholz oder bei  Veranstaltungen außerhalb der Ortslage eine maßgebliche Rolle.

Überall dort, wo Grundstücke und Flächen außerhalb von zusammenhängenden Bebauungen und nicht im Geltungsbereich von qualifizierten Bebauungsplänen liegen, sind baurechtliche Genehmigungen notwendig, schließlich sollen Außenbereiche in der Landschaft von jeder Bebauung freigehalten werden.

Eine naturschutzrechtliche Genehmigung kann jedoch für Vorhaben wie Gebäude mit nicht mehr als 20 Kubikmetern umbautem Raum, land- und forstwirtschaftliche Gebäude unter 100 Quadratmetern Grundfläche, temporäre bauliche Anlagen oder unbefestigte land- oder forstwirtschaftliche Lager- oder Abstellflächen bis 500 Quadratmetern Nutzfläche notwendig sein. All diese Vorhaben werden „privilegierte Vorhaben“ genannt.

Unterstand auf einer Weide

Eine vollständige Liste liefert das Baugesetzbuch. Dies gilt sowohl für baugenehmigungspflichtige als auch baugenehmigungsfreie Vorhaben wie kleinere Unterstände, feste Zäune oder Rundbogenhallen.

Wer einen Antrag auf Errichtung einer festen baulichen Anlage stellen möchte, muss zunächst den Erhebungsbogen mit Angaben des Antragstellers zum landwirtschaftlichen Betrieb ausfüllen und einsenden.

Einrichtungen zur Tierhaltung

Hobbytierhaltung darf grundsätzlich nur mit transportablen Anlagen wie mobilen Weidezäunen und mobilen Unterständen betrieben werden, die nach jedem Weidegang wieder von der Fläche entfernt werden. Die Beweidung muss so erfolgen, dass die Vegetation keinen Schaden nimmt und die Grasnarbe nicht beschädigt wird. Eine Genehmigung ist für diesen Zweck nicht nötig. Der Nutzungs- bzw. Beweidungszeitraum ist beschränkt auf Mai bis Oktober.

Die vegetationslose Zeit zwischen November und April dient der Erholung der Fläche, Winterbeweidung ist aus naturschutzfachlicher Sicht nicht erlaubt.

Für privilegierte Tierhaltung mit festen baulichen Anlagen ist dann eine naturschutzrechtliche Genehmigung nötig, wenn die Bauaufsicht das jeweilige Vorhaben für baugenehmigungsfrei erachtet.

Lagerung von Brennholz

Die Lagerung von Brennholz im Außenbereich darf nur für den Eigenbedarf und nicht in Naturschutzgebieten und gesetzlich geschützten Biotopen wie Streuobstwiesen oder Hecken erfolgen. Davon ausgeschlossen ist die gewerbliche Holzlagerung. Pro Haushalt und Flurstück sind maximal 40 Raummeter zulässig. Das Holz muss unbehandelt sein und in Form von geschichteten Stapeln gelagert werden.

In Landschaftsschutzgebieten und den sogenannten Natura 2000-Gebieten ist vorab eine Anfrage an den Fachdienst Naturschutz zu richten.

Einzäunungen oder die Errichtung von Unterständen, Lagerschuppen und sonstigen Befestigungen für diesen Zweck sind nicht zulässig.

Das vorübergehende, kurzfristige Lagern von Gerätschaften zur Bewirtschaftung von landwirtschaftlich nutzbaren Flächen ist ohne Genehmigung erlaubt. Darüber hinaus sind feste Lagerplätze jedoch genehmigungspflichtig.

Veranstaltungen

Für alle offiziellen Veranstaltungen, die auf öffentlichen Straßen oder Wegen stattfinden, ist eine Genehmigung der Gemeinde bzw. bei gemeindeübergreifenden Wegen eine Genehmigung des Ordnungsamtes des Landkreises Gießen maßgeblich. Eine gesonderte Genehmigung seitens des Fachdienstes Naturschutz ist nicht nötig.

Auch bei ortsfesten Veranstaltungen wie Sonnenwendfeuern oder Zeltlagern ist unter Umständen eine Genehmigung der Gemeinde nötig, die den Landkreis darüber informiert. In besonders sensiblen Bereichen wie Naturschutz-, FFH- oder Vogelschutzgebieten sind derartige Veranstaltungen nicht zulässig.

Lagerfeuer Dunkelheit

Ökokonto

Eingriffe durch eine Bebauung, die Natur und Landschaft beeinträchtigen, können umgekehrt mit bereits durchgeführten und im Ökokonto festgeschriebenen Maßnahmen ausgeglichen werden.

Zuständig für die Anerkennung derartiger Naturschutzmaßnahmen ist die Untere Naturschutzbehörde, die dem Vorhaben zunächst zustimmen muss und anschließend den Biotopwertzuwachs ermittelt, der dem Ökokonto gutgeschrieben wird.

Dabei ist zu beachten, dass der Biotopwert durch die Entwicklung des Biotops im Laufe von Jahren steigen oder – bei mangelnder Pflege des Biotops – auch abnehmen kann.

Bauen und Naturschutz miteinander in Einklang bringen – das ist das vorrangige Ziel von Ökokonten. Ein Ökokonto ist ein Naturschutzinstrument, über das Eingriffe in die Natur und Landschaft durch sogenannte Kompensationsflächen ausgeglichen werden. Aufgrund der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen wird die ökologische Qualität der entwickelten Flächen gesteigert.

Grünlandumbruch

Die Umwandlung von Grünland in Ackerland ist in vielen Fällen genehmigungsfrei zulässig, kann aber auch im Einzelfall je nach Lage der Fläche, Betrieb und weiteren rechtlichen Bestimmungen genehmigungspflichtig sein.

Wer eine Wiese oder Weide in Ackerland umwandeln möchte, sollte also vorab in jedem Fall Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde aufnehmen und schriftlich – per E-Mail oder Brief – mitteilen, welche Parzelle das Vorhaben betrifft.

Unter Einbeziehung des Landwirtschaftsamtes und der Unteren Wasserbehörde wird dann entschieden, wie sich die Rechtslage für das betreffende Grundstück gestaltet.

Grundstückseigentümer erhalten nach der gemeinsamen Beurteilung eine schriftliche Rückmeldung.

Antragsunterlagen

Eine Auflistung der zur Beurteilung notwendigen Unterlagen gibt es in der Verordnung über die Durchführung von Kompensationsmaßnahmen, Ökokonten, deren Handelbarkeit und die Festsetzung von Ausgleichsabgaben.

Die Antragsunterlagen sind in vierfacher Ausfertigung einzureichen, da von verschiedenen Behörden eine Stellungnahme eingeholt werden muss.