mehr Kontrast
Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Ortstermin am Kleebach: Eine Gruppe von Fachleuten überprüft während der Gewässerschau den Zustand von Ufer und Bachlauf. Auch Naturschutzdezernentin Dr. Christiane Schmahl  verschafft sich einen Eindruck. Feste Stiefel, Rucksäcke, sogar ein Hund an der Leine ist dabei: Ein gutes Dutzend Frauen und Männer stapft durchs hohe Gras am Kleebachufer. Sie bleiben stehen, zeigen, diskutieren. Was wie eine Wandergruppe anmutet, hat einen ganz anderen Zweck. Am Kleebach findet eine Gewässerschau statt – so wie regelmäßig an Bächen und Flüssen im Landkreis Gießen.

 

Dr. Martin Sondermann und seine Kolleginnen und Kollegen vom Fachdienst Wasser- und Bodenschutz des Landkreises Gießen haben ihr Frühstück im Rucksack gleich mitgenommen, denn so ein Marsch durch die Natur kann schon einmal mehrere Stunden lang dauern. Häufig sind sie an mehreren Tagen in Folge unterwegs, um den Zustand von Gewässern zu überprüfen. So wie jetzt am Kleebach bei Dornholzausen. Immer wieder notieren sie, was ihnen auffällt: Wo sind der Bach und seine Ufer besonders natürlich und ursprünglich? Wo engen Wände, Treppchen, Stufen und andere von Menschen geschaffene Hindernisse das Gewässer ein? Mit dabei: Eine Reihe weiterer Personen, die mit einem unterschiedlichen fachlichen Blick eine Bewertung abgeben können. Eine Vertreterin des Amts für Bodenmanagement, die Aspekte der Flurbereinigung berücksichtigt, der Ortslandwirt, eine Vertreterin des Fischereivereins, der Vertreter eines Naturschutzverbands. Und auch der Bürgermeister als Vertreter der Gemeinde schaut vorbei.

 

Wenn Äste Schatten spenden, entsteht im Wasser Lebensraum

 

Auch Dr. Christiane Schmahl, Naturschutzdezernentin des Landkreises Gießen, hat Straßenschuhe gegen Gummistiefel getauscht und schaut sich heute gemeinsam mit dem Team der Unteren Wasserbehörde den Kleebach ganz genau an. Hier, auf einem Wiesenstück südlich des Ortes, säumen Weiden das Ufer. Äste hängen bis ins leise plätschernde Wasser. Das ist gut und so gewünscht, weiß die Dezernentin: „So entsteht auf natürliche Weise Schatten. So gelangt auch Totholz ins Wasser, das Lebensraum für Kleinstlebewesen und Fische schaffen kann.“

 

Dass der Bach einen natürlichen Weg nehmen kann, dass Mäander und ruhige Wasserzonen entstehen und Lebensraum für Pflanzen und Tiere bieten, ist das Ziel – und genau darauf wird während der Gewässerschauen geachtet. So entstehen zum Beispiel Stellen, an denen Fische ihren Laich ablegen können.

 

Gleich mehrere Gesetze definieren diesen „Soll-Zustand“: die Europäische Wasserrahmenrichtlinie, das Wasserhaushaltsgesetz und das Hessischen Wassergesetz. „Während der Gewässerschau schauen wir, inwieweit das Gewässer den Vorgaben entspricht. Wir können Entwicklungen erkennen, rechtzeitig reagieren und Schritte festlegen“, erklärt Schmahl.

 

Die Fachleute des Landkreises schauen dabei auch die weitere Umgebung des Gewässers genau an. Wie weit reichen zum Beispiel Felder und Äcker an den Bach heran? Gelangen Dünge- oder Pflanzenschutzmittel beim Spritzen in den Bachlauf, kann das drastische Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt haben. Immer wieder wird während der Rundgänge vor Ort zwischen den Interessenvertretern argumentiert, werden Kompromisse gesucht.

 

Der Landkreis berät, wenn Interessen aufeinanderstoßen

 

Auch, dass Gewässer auf ganz natürliche Art und Weise nach Regenfällen oder je nach Jahreszeit ihren Lauf verändern, ist ganz im Sinne des Gesetzes – selbst dann, wenn in Grundstückskatastern ein ganz anderer Lauf abgebildet ist. „Grundsätzlich geht es immer um das Ziel eines Gewässerzustands, der so nah wie möglich an der Natur ist“, erklärt Schmahl. Grenzen Gewässerläufe an privaten Grund, befinden sie sich in der Regel trotzdem im Eigentum von Gemeinden oder Verbänden. Dass private Grundstückseigentümer in Eigenregie Eingriffe unternehmen und Ufer und Gewässerläufe verändern, ist illegal. Manchmal sind sogar für die Nutzung angrenzender Grundstücke sogar Beschränkungen zu beachten - zum Beispiel dann, wenn sie in einem amtlich festgelegten Überschwemmungsgebiet liegen. Denn bei Hochwasser brauchen Bäche und Flüsse Platz, um sich ausbreiten zu können. Gibt es einen solchen natürlichen Retentionsraum, kann das dazu beitragen, dass Wasser zurückgehalten wird und bei Hochwasser größere Schäden rund um den weiteren Lauf verhindert werden können.

 

„Dass es wegen der unterschiedlichen Interessen von beispielsweise Grundstückseigentümern, Naturschutz und Landwirtschaft zu Interessenskollisionen kommen kann, liegt in der Natur der Sache“, erklärt Christiane Schmahl. Grundsätzlich berät und informiert die Untere Wasserbehörde gerne zu allen Fragen rund um dieses Thema.

Servicetelefon

Montag bis Donnerstag
8 - 16 Uhr

Freitag

8 - 14 Uhr

 

Tel. 0641 9390 0

 
Wir verwenden Cookies, um Ihnen die Nutzung unserer Internetseite so angenehm wie möglich zu gestalten. Mit der Nutzung dieser Internetseite erklären Sie sich mit unserer Verwendung von Cookies einverstanden.
Weitere Informationen Ok