mehr Kontrast
Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Christiane Schmahl mit dem Feldhamsterschutzexperten Martin Wenisch auf der Suche nach Feldhamstern.Tiefer und tiefer lässt Martin Wenisch seinen Zollstock in eines der vielen runden Erdlöcher direkt gegenüber des Langgönser Gewerbegebietes hinabgleiten. Erst 40, dann 50, dann 60 Zentimeter kann er auf der Skala des schon oft benutzten Maßstabes ablesen, bis bei 70 Zentimetern plötzlich Schluss ist. Der Zollstock scheint auf dem Boden des Erdloches angelangt zu sein. Am Ende ist es aber nicht: Stattdessen zweigt der Weg sich in ein komplexes unterirdisches Höhlensystem ab.


Der Baumeister dieses Konstrukts ist ein 20 bis 30 Zentimeter großer Nager – ein Feldhamster. Er und seine Langgönser Artgenossen gehören zu einer der größten verbliebenen Feldhamsterpopulationen in Hessen. Viele von ihnen gibt es nicht mehr. Seit beinahe zehn Jahren gilt der Feldhamster als stark gefährdete Art. Denn nicht nur seine vielen Fressfeinde machen dem Nager zu schaffen, sondern vor allem der Mensch. Zwar sind die Zeiten vorbei, in denen Bauern Belohnungen für jeden getöteten Hamster aussetzten, weil er ihnen die Ernte wegfraß. Dafür zerstören heute größere und stärkere Pflugmaschinen seine Baue und ernten seine Nahrungsquelle – das Getreide – zu früh ab.


Um den Rückgang des Feldhamsters aufzuhalten und in der Öffentlichkeit auf die Probleme hinzuweisen, braucht es engagierte Menschen. Einer von ihnen ist der Vorsitzende der NABU Vogel- und Naturschutzgruppe Langgöns Martin Wenisch. Er beschäftigt sich schon seit über 15 Jahren mit dem Feldhamsterschutz und ist auch in der Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz aktiv „Um vom Aussterben bedrohte Arten retten zu können, müssen wir nicht auf andere Kontinente oder in exotische Länder reisen“, sagt er. „Es reicht ein Blick vor die eigene Haustür, denn auch hier können wir viel bewegen.“ Durch viel Öffentlichkeitsarbeit, Informationsangebote, aber auch durch die gute Kooperation mit den örtlichen Bauern kann er mittlerweile Erfolge verzeichnen. So unterstützen unter anderem das Hessisch Programm für Agrarumwelt- und Landschaftspflegemaßnahmen (HALM) und auch der Landkreis Gießen die Projekte zum Feldhamsterschutz durch finanzielle Zuschüsse. Der zuständigen Dezernentin liegt der Artenschutz im Landkreis besonders am Herzen. „Gerade hier in Langgöns kann man sehen, dass Gewerbe und Tiere in einer friedlichen Koexistenz leben können“, sagt Dr. Christiane Schmahl.


Schon über 100 Projekte konnten so im Kreisgebiet realisiert werden. Bei einem Großteil davon handelt es sich um sogenannte Mutterzellen. Dabei lassen Bauern 40 mal 40 Meter ihrer Getreideflächen bis zum Beginn des hamsterlichen Winterschlafes stehen. Dadurch erhält der Nager einen Schutzraum vor seinen Fressfeinden und kann ausreichend Nahrung für die kalte Jahreszeit sammeln. Ab Oktober dürfen die Landwirte ihre Felder dann wieder abernten. Um diese Zeit geht der Hamster in den Winterschlaf. Dafür gräbt er sich – ausgestattet mit seinen gehamsterten Wintervorräten - bis auf eine Tiefe von zwei Metern unter die Erde. So schützt er sich vor Bodenfrost. Für eine dieser Mutterzellen erhalten die Bauern knapp 480 Euro Aufwandsentschädigung. Hinzu kommen Nacherntestreifen, bei denen die Landwirte vier bis fünf Meter lange Streifen der Ernte stehen lassen.

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