mehr Kontrast
Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Die Gruppe beim Aufbruch zum Rundgang.Um den Trauerschnäpper und seinen Schutz drehte sich eine Veranstaltung, die der „Verein für Natur- und Vogelschutz Villingen“, die „Nabu Ortsgruppe Villingen“ und der „Angelsportverein Hungen“ an den „drei Teichen“ angeboten hatten. Trotz des nicht gerade warmen Wetters war die Teilnahme sehr gut. Über 70 Naturfreunde beteiligten sich an dem Rundgang.

 

Norbert Heßler (Vorsitzender des Vereins für Natur- und Vogelschutz Villingen und der NABU Ortsgruppe) konnte auch zahlreiche Persönlichkeiten aus der Politik begrüßen: Eva Goldbach, Landtagsabgeordnete der Grünen war gekommen, ebenso Dr. Christiane Schmahl, Naturschutzdezernentin des Landkreises Gießen, und Rainer Wengorsch, Bürgermeister der Stadt Hungen mit dem ersten Stadtrat der Stadt, Helmut Schmidt. Weiter anwesend waren Vertreter des Forstamtes Wettenberg, Dieter Jungbluth und Holger Brusius, der Kreisbeauftragte für Vogelschutz, Dietmar Jürgens, und der Ehrenvorsitzende des Angelsportvereins Hungen, Gernot Pedain.

 

Anlass der Veranstaltung war das NABU-Patenprojekt „Bestandserhöhung der Trauerschnäpper und Grauschnäpper in den Bruthabitaten Mittelhessens“. Darin spielt das Hungener Revier an den „drei Teichen“ eine große Rolle. Denn trotz vieler Schutzmaßnahmen durch die ehrenamtlichen Naturschützer geht der Bestand der Trauerschnäpper im Landkreis Gießen weiter zurück. Den Villinger Vogelschützern ist es jedoch gelungen, den Trend umzukehren. Die Trauerschnäpper nehmen dort wieder zu. Zurückgeführt wird das auf die zusätzlichen Schutzmaßnahmen an den Nistkästen. Normale Nistkästen sind stark durch Waschbären gefährdet. Die Waschbären, die an den „drei Teichen“ in größerer Zahl vorkommen, wie an der großen Zahl leer gefressener Muschelschalen an den Ufern zu sehen ist, rauben die Nistkästen gerne aus und fressen die Vögel und ihre Eier.

 

Nisthilfe für den TrauerschnäpperDeswegen haben die Villinger Naturschützer Nistkästen mit einem „Vorbau“ entwickelt, der verhindert, dass die Waschbären das Nest erreichen können. Der Vorbau stört die nistenden Vögel nicht. Diese Nistkästen wurden in großer Zahl aufgehängt. Seit 2012 werden keine dementsprechenden Hinweise auf Waschbärenraub an den Kästen festgestellt. Die Folge: Der Bestand der Trauerschnäpper erholt sich stark, die Brutzahlen stiegen von 12 (2011) auf 24 (2016).

 

Dazu beigetragen hat auch ein Nistkastenmanagement. Damit die Trauerschnäpper nicht mit Standvögeln wie den Meisen um die Kästen kämpfen müssen, wird ein Teil der Nistkästen nach der Reinigung im Spätherbst verschlossen. Die Meisen beziehen dann im frühen Frühjahr die offenen Kästen. Danach werden die verschlossenen Kästen geöffnet, so dass die später aus Zentralafrika heimkehrenden Trauerschnäpper leere Kästen vorfinden, die sie ohne Revierkämpfe besetzen können.

 

Seit dem 11. April halten sich die Trauerschnäpper nun wieder im Gebiet um die „drei Teiche“ auf. Bei dem Rundgang konnten schon acht besetzte Trauerschnäpperkästen festgestellt werden. Das schürt die Hoffnung, dass auch in dieser Saison der Bruterfolg gesteigert werden kann.

 

Die Teilnehmer zeigten sich sehr beeindruckt von der Arbeit der örtlichen Vogelschützer. „Ich bin begeistert von der Arbeit der Vogelschutzgruppe“, sagte Eva Goldbach nach dem Rundgang, „die Idee, die Nistkästen so umzubauen, dass Waschbären keinen Zugriff mehr haben, ist wirklich genial.“ Zumal der Waschbär überall eine echte Plage geworden sei und viele heimische Tierarten bedrohe, da er keine natürlichen Feinde habe. Sie versprach, Kontakte wegen des Baus der Nistkästen herzustellen.

 

Norbert Heßler überreichte Christiane Schmahl einen Nistkasten als Anschauungsobjekt für die Untere Naturschutzbehörde. „Ich hoffe, dass viele Menschen das Problem der Beraubung erkennen“, sagt Christiane Schmahl, „und die Ideen der Villinger Vogelschützer auch an anderer Stelle aufgegriffen werden.“

 

Wer mehr zu den Nistkästen wissen möchte kann sich an Norbert Heßler vom Verein für Natur- und Vogelschutz Villingen e.V. wenden. Den Kontakt vermittelt Heike Schöße vom Fachdienst Naturschutz des Landkreises Gießen. Sie ist zu erreichen unter Telefon: 0641 9390-1459, E-Mail: heike.schoesse@lkgi.de.

Coronavirus

Alle Informationen zum Coronavirus im Landkreis Gießen sind zu finden unter corona.lkgi.de

Aktueller Hinweis

 Besuche der Kreisverwaltung Gießen sind nur nach Terminvereinbarungen möglich.