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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

IMG 2957 QStand: 21. April 2021


Verbringungsregelungen nach dem EU-Tiergesundheitsrecht


Mit In-Kraft-Treten des neuen EU-Tiergesundheitsrechtes zum 21. April 2021 ergeben sich Änderungen hinsichtlich der Regelungen für das Verbringen von empfänglichen Tierarten aus dem Sperrgebiet der Blauzungenkrankheit (BTV) in BTV-freie Regionen. Die ab 21. April 2021 gültigen Verbringungsregelungen finden Sie in der Verordnung (EU) 2020/689, Anhang V, Teil II, Kapitel 2, Abschnitt 1.


Vorerst verbleibt der Landkreis Gießen im BTV-Sperrgebiet.


Die Voraussetzungen, unter denen empfängliche Tiere (Wiederkäuer) aus dem Landkreis Gießen in freie Zonen verbracht werden dürfen, sind im Folgenden in verkürzter Form aufgeführt:

 
 
Verbringung aus BTV-Sperrgebiet in BTV-freie Zonen:

1. Verbringung geimpfter Tiere


a. Impfung mind. 60 Tage vor der Verbringung


i. Die Tiere wurden mind. 60 Tage vor der Verbringung geimpft (Grundimmunisierung abgeschlossen) und
ii. die Tiere befinden sich innerhalb des durch den Impfstoffhersteller garantierten Immunitätszeitraums und
iii. die Tiere wurden während der letzten 60 Tage im Herkunftsbetrieb gehalten.

 

oder
b. Impfung vor weniger als 60 Tagen vor der Verbringung


i. Die Tiere wurden geimpft (inaktivierter Impfstoff, Grundimmunisierung abgeschlossen) und
ii. die Tiere befinden sich innerhalb des durch den Impfstoffhersteller garantierten Immunitätszeitraums und
iii. wurden mit einem Negativbefund einem PCR-Test auf Blauzungenkrankheit unterzogen (Proben mind. 14 Tage nach Immunitätseintritt gezogen) und
iv. die Tiere wurden während der letzten 60 Tage im Herkunftsbetrieb gehalten.

 

oder
c. Antikörpertest mind. 60 Tage vor der Verbringung


i. Die Tiere wurden mind. 60 Tage vor Verbringung mit einem Positivbefund gegen BTV8 getestet (Tiere waren geimpft oder natürlich immunisiert)

 

oder
d. Antikörpertest vor weniger als 60 Tage vor der Verbringung


i. Die Tiere wurden mind. 30 Tage vor Verbringung mit einem Positivbefund gegen BTV8 getestet (Tiere waren geimpft oder natürlich immunisiert) und
ii. wurden mit einem Negativbefund einem PCR-Test auf Blauzungenkrankheit unterzogen (Proben frühestens 14 Tage vor Verbringung gezogen)

 
2. Verbringung von Schlachttieren

a. Im Ursprungsbetrieb mind. 30 Tage kein Fall von Blauzungenkrankheit und
b. Transport erfolgt direkt zum Schlachthof und
c. Schlachtung innerhalb von 24 Stunden nach Ankunft und
d. der Betreiber des Herkunftsbetriebes informiert Betreiber des Schlachthofes mind. 48 Stunden vor der Verladung der Tiere über das Verbringen.

 

Das Verbringen von Schlachttieren durch einen Viehhändler ist in der VO (EU) 2020/689 nicht vorgesehen. Es ist zwingend darauf zu achten, dass die Tiere vom Viehhändler unmittelbar in den Schlachthof verbracht werden.


3. Verbringung von Kälbern, Schafen und Ziegen unter 90 Lebenstagen innerhalb Deutschlands

a. Mind. in den 60 Tagen vor der Verbringung Haltung der Jungtiere einschließlich ihrer Mütter im Herkunftsbetrieb und
b. innerhalb von 12 Stunden nach der Geburt Kolostrum der eigenen Mutter aufgenommen und
c. sie werden von einer Tierhaltererklärung begleitet und

d. 1. Mütter entsprechend der Herstellerangaben vor der Belegung geimpft
oder
d. 2. Mütter mind. 28 Tage vor der Geburt geimpft und
Kälber wurden mit einem Negativbefund einem PCR-Test auf Blauzungenkrankheit unterzogen (Proben frühestens 14 Tage vor Verbringung gezogen)

 

 

Dies gilt auch für das Verbringen aus nicht BTV-freien Mitgliedsstaaten in BTV-freie Zonen in Deutschland.


4. Verbringung von Kälbern, Schafen und Ziegen unter 90 Lebenstagen in die Niederlande

a. Verbringung nur durch Sperrzone


i. Repellentbehandlung der Tiere mind. 14 Tage vor der Verbringung und
ii. Tiere wurden mit einem Negativbefund einem PCR-Test auf Blauzungenkrankheit unterzogen (Proben frühestens 14 Tage nach Repellentbehandlung gezogen)

b. Bei Verbringung über BTV-freie Zone (NRW, Niedersachsen,..) nach NL zusätzlich


i. Transportmittel gegen den Angriff von Vektoren geschützt und
ii. Tiere werden während Transport nicht länger als einen Tag abgeladen -> Keine PCR-Tests an Blutproben, die in Sammelstellen in BTV-freien Gebieten genommen werden, mehr möglich!

Für das Verbringen in andere EU-Mitgliedsstaaten (Spanien, Italien,…) existieren bis dato keine erleichterten Verbringungsregelungen! In diese Länder dürfen nur Tiere transportiert werden, die die Bedingungen aus Nr. 1 und Nr. 2 erfüllen.

 

 
Verbringung innerhalb des Sperrgebietes


Das Verbringen nicht geimpfter empfänglicher Tiere ist möglich. Die Tiere dürfen keine Symptome der Blauzungenkrankheit aufweisen. Es sind keine Untersuchungen oder Repellentbehandlungen erforderlich, aber: „Tierhaltererklärung Verbringen im Sperrgebiet in Deutschland“ muss mitgeführt werden.

 
 
Repellentbehandlung:


Folgende Hinweise zur Insektizidbehandlung sind weiterhin zu beachten:

Tierarzneimittel, die hauptsächlich zur Kontrolle des Fliegenbefalls zugelassen sind, müssen für die Anwendung gegen Gnitzen (Culicoides spp.) entsprechend § 52 a AMG umgewidmet werden, da eine Zulassung für diese Indikation in Deutschland nicht existiert.


Laut einschlägiger wissenschaftlicher Literatur bieten Pyrethroide wie z.B. Deltamethrin einen gewissen Schutz gegen Gnitzenbefall (bis zu 86 %, Weiher, 2014).

Nachfolgende Wirkstoffe besitzen Insektizide- und Repellentien-Wirkung und sind derzeit als Fertigarzneimittel für Rinder in Deutschland zugelassen:

 

Wirkstoff Deltamethrin


• Butox Protect 7,5 mg/ml Pour on Suspension zum Übergießen für Rinder und Schafe
• Deltanil 10 mg/ml Pour-on Lösung zum Übergießen für Rinder und Schafe
• Latroxin Delta 0,750 g/100 ml Suspension zum Übergießen für Rinder und Schafe
• Spotinor 10 mg/ml

 

Wirkstoff Flumethrin


• Bayticol Pour-on 10 mg/ml Lösung zum Aufgießen auf den Rücken für Rinder
Die Dosierung des Insektizids ist entsprechend den Herstellerangaben vorzunehmen.

 

Bei rein biologischen Repellentien (DEET, Icaridin) ist keine belastbare wissenschaftliche Aussage möglich, dass ein Schutz gegen Gnitzen besteht, bzw. Stoffe aus dem Humanbereich sind für Lebensmittel liefernde Tiere nicht zulässig.


Die Nutzung dieser Substanzen ist im Rahmen der Verbringung von Kälbern in die Niederlande daher nicht möglich.


Untersuchungen auf BTV8 sind kostenpflichtig. Kostenfrei für den Einsender sind lediglich Untersuchungen im Falle des Verdachts auf Blauzungenkrankheit sowie die Monitoring-Untersuchungen.


Ob sich der Zielort der Verbringung im Sperrgebiet oder im BTV 8-freien Gebiet befindet, erfragen Sie bitte ggf. bei dem für den Bestimmungsort zuständigen Veterinäramt.

 

 

 
Vorgaben zur BT-Impfung:

Die Ständige Impfkommission Veterinärmedizin weist auf die anhaltende Notwendigkeit hin, Rinder, Schafe und Ziegen durch eine Impfung gegen das Blauzungenvirus vor der Erkrankung zu schützen (Stellungnahme zur aktuellen BTV-Situation).


Die Grundimmunisierung besteht im ersten Jahr aus zwei Impfungen im Abstand von drei bis vier Wochen, Nachimpfungen müssen im Abstand von 12 Monaten durchgeführt werden. Impfungen werden vom Hoftierarzt durchgeführt. Die Kosten werden vom Tierhalter getragen.

 

Die im Landkreises Gießen gehaltenen Wiederkäuer und Kameliden dürfen mit inaktivierten Impfstoffen gegen die Blauzungenkrankheit (BT) Serotyp 4 (BTV 4) und Serotyp 8 (BTV 8 ) geimpft werden (Allgemeinverfügung BTV-Impfung).


Für die Tierarten Rind, Schaf und Ziege hat die Meldung der Impfung innerhalb von 7 Tagen nach der Durchführung unter Angabe der Registriernummer des Betriebes, des Datums der Impfung, des verwendeten Impfstoffes und, sofern es sich um Rinder handelt, der Ohrmarkennummern mittels Erfassung im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HIT) durch den Tierhalter Rinder oder Tierhalter Schafe/Ziegen oder durch den Tierarzt Rinder oder Tierarzt Schafe/Ziegen zu erfolgen.

 

Tierhalter müssen zuvor die Berechtigung für die Eingabe der BTV-Impfung im HIT beantragen (HVL kontaktieren). Tierärzte mit Hoftierarztvollmacht sind automatisch berechtigt die Impfung im HIT einzugeben.

 

 

Hinweise für den Hoftierarzt


Der Hoftierarzt muss darüber hinaus dem Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz innerhalb von 7 Tagen nach durchgeführter Impfung den Tierhalter, die geimpfte Tierart und das Impfdatum formlos melden.


Für alle anderen geimpften Tierarten muss die Impfung an den Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz in Schriftform (Landrätin des Landkreis Gießen, Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz, Gottfried-Arnold-Str. 8, 35398 Gießen, Fax-Nr. 06419390-6214, E-Mail-Adresse: poststelle.avv@lkgi.de,) innerhalb von 7 Tagen gemeldet werden.

Tierärztinnen und Tierärzte müssen die Anwendung des Impfstoffes in einer Impfliste dokumentieren.

 

Die Impfliste muss folgende Angaben enthalten:
• Name und Praxisanschrift des Impftierarztes
• Namen des Tierhalters und Adresse des Impfbestandes
• verwendeter Impfstoff mit Chargennummer
• Impfdatum
• Tierart und -zahl
• Ohrmarkennummern der geimpften Tiere
• Anzahl der geimpften Tiere
• angewandte Impfstoffmenge

 

Der Tierhalter hat die vom Tierarzt unterschrieben Impfliste bis zum Lebensende der geimpften Tiere aufzubewahren.

 

Hinweise für den Hoftierarzt, um falsch positive Nachweise zu vermeiden:
• Impfung und Probenahmen wenn möglich nicht am selben Tag durchführen.
• Unbedingt Reihenfolge einhalten: Immer zuerst die Probenahme und dann erst die Impfung vornehmen
• Wenn dies nicht möglich ist: bei Impfung Handschuhe anziehen und vor Blutprobenahme ausziehen und Hände waschen.
• Für jede Injektion/Blutabnahme neue Kanüle verwenden.
• Reihenfolge bzw. Hygienemaßnahmen auch beim Wechsel zwischen Beständen einhalten.
• Bei positiven/reaktiven BTV-Befunden in Beständen, in denen am selben Tag geimpft worden ist, zuständiges Veterinäramt sowie Untersuchungsamt informieren.

 

 

 

Hier finden Sie weitere Informationen, die das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) zur Verfügung stellt.