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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Gesundheitsdezernent Hans-Peter Stock (5. v. l.) begleitet Fachdienstleiter Dr. Bruno Scherm (6. v. l.) bei einem Betriebsbesuch des Dönerherstellers Eroglu Döner GmbH & Co. KG.Cuma Eroglu ist Geschäftsführer von Eroglu Döner GmbH & Co. KG und immer kooperativ, wenn es um die Lebensmittelkontrollen des Landkreises Gießen geht. Das betonen die Mitarbeiter vom Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz. Nur das Geheimrezept seiner Gewürzmischung wollte er dem zuständigen Dezernenten Hans-Peter Stock bei dessen Rundgang in der Produktion nicht verraten. Dem blieb nur eines übrig – selber testen.

 

Der Betrieb produziert sechs Tonnen Dönerspieße am Tag. Zum Vergleich: Das entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Afrikanischen Elefanten. Das Familienunternehmen wurde vor 18 Jahren gegründet und beschäftigt zurzeit 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Eroglu zog mit 19 Jahren von der Türkei nach Deutschland. „Herr Eroglu leitet nicht nur ein Vorzeigeunternehmen in Sachen Lebensmittelkontrollen, sondern ist auch ein Vorbild, wenn es um Integration geht“, sagt Hans-Peter Stock.

 

Das tiefgefrorene Dönerfleisch aus Fernwald-Annerod hat Kunden in Deutschland, Österreich und Tschechien. Seit Februar diesen Jahres ist das neue Produktionsgebäude in Betrieb. „Wie auch bei unseren Produkten, haben wir beim Bau des Gebäudes auf höchste Qualität gesetzt“, sagt Eroglu. Auf die Frage, warum ihm die gute Zusammenarbeit mit den Lebensmittelkontrolleuren des Landkreises so wichtig ist, antwortet er mit: „Weil es um das Leben geht.“

 

Ausgestattet mit Schutzkleidung und vorbei an der Hygieneschleuse zeigte Cuma Eroglu bei der Betriebsbesichtigung die Schritte, bis ein Dönerspieß rund ist. Da gibt es zum Beispiel eine Maschine, die das Fleisch plättet, ähnlich wie beim Schnitzelklopfen. Das Fleisch trifft anschließend auf die geheime Gewürzmischung in einer Mischmaschine, wird dann auf Spießen zugeschnitten und mit Frischhaltefolie verpackt. Damit das Kalbs-, Hühnchen- und Putenfleisch frisch bleibt, ging es in den Schockfroster, wo bei Minus 40 Grad auch Dezernent Stock ziemlich kalt wurde.

 

Der Blick hinter die Kulissen ist für die Lebensmittelkontrolleure des Landkreises Gießen Alltag. Fachdienstleiter Dr. Bruno Scherm erklärt: „Die amtliche Lebensmittelüberwachung trägt dazu bei, den Verbraucher vor Gefahren für die Gesundheit zu schützen.“ Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Scherm sind verpflichtet, 2422 Betriebe im Kreisgebiet zu kontrollieren. Im vergangenen Jahr waren die Kontrolleure 3232 Mal unterwegs. Leider arbeiten nicht alle so einwandfrei wie der Dönerhersteller aus Annerod, sodass es 250 Verdachts- oder Nachkontrollen gab. Bei etwa zehn Prozent der kontrollierten Betriebe stellten die Hygiene-Experten Verstöße fest. Häufige Mängel betreffen die Betriebshygiene und Schwächen in der Eigenkontrolle.

 

Von den in 2017 entnommenen 841 Proben mussten circa drei Prozent der Produkte beanstandet werden. Häufige Gründe waren: Kennzeichnung der Produkte sowie Verunreinigungen und mikrobiologische Mängel. Hin und wieder finden die Kontrolleure aber auch Lebensmittel, von denen eine Gefahr für die Gesundheit ausgeht, etwa wenn sie von Ungeziefer befallen oder verdorben sind. Wegen hygienischer Mängel wurden im vergangenen Jahr 1330 Kilogramm Lebensmittel sichergestellt. „Diese mussten dann beseitigt werden, was auch vom Amt kontrolliert wird“, sagt Scherm. Teilweise wurden sie an die Hersteller zurückgeschickt und die zuständigen Überwachungsbehörden benachrichtigt.

 

Bei groben Verstößen gegen geltende Gesetze sind die Kontrolleure zudem verpflichtet, Strafen zu verhängen. So kam es im vergangenen Jahr zu 49 Ordnungsverfügungen, 72 gebührenpflichtigen Verwarnungen, 14 Bußgeldern und acht vorübergehenden Schließungen von Betrieben bzw. Betriebsräumen. „Diese Auswertung zeigt, dass Kontrollen notwendig sind“, betont Scherm.

 

Nach EU-rechtlichen Bestimmungen trägt die Lebensmittelwirtschaft die Hauptverantwortung für sichere Lebensmittel. Eine 100-prozentige Sicherheit durch die amtliche Lebensmittelüberwachung gibt es zwar nicht. „Das Kontrollnetz ist jedoch sehr dicht. Der weitaus größte Teil der Lebensmittelbetriebe arbeitet verantwortungsbewusst“, betont Dezernent Hans-Peter Stock. Allerdings ließen sich kriminelle Machenschaften weder durch verschärfte Sanktionen noch durch weitere Gesetzesvorschriften oder erhöhte Kontrollfrequenzen völlig ausschließen. Um den Anteil derjenigen zu reduzieren, die fahrlässig und leichtfertig arbeiten, sind die Behörden auch auf Hinweise der Verbraucher angewiesen. „Sie spielen an dieser Stelle eine entscheidende Rolle“, sagt Stock.

 

Fragen und Beschwerden besorgter Bürgerinnen und Bürger werden beim Fachdienst Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz (Telefon: 0641 9390-6200, E-Mail: poststelle.avv@lkgi.de) vertraulich behandelt.

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