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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

V.l.n.r.: Liane Becker, Alida Klaus, Barbara Heck-Odignal und Diana Bachmann (Pflegekinderdienst Landkreis); Referentin Heike Wolter sowie Referent Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr; Petra Sommer sowie Melanie Roxane Schuy (Pflegekinderdienst Stadt) (Quelle: Landkreis Gießen)Der Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen für das Ungeborene haben. Die Kinder sind entwicklungsverzögert, unruhig, können sich schwer konzentrieren und nicht aus ihren Fehlern lernen. Über das fetale Alkoholsyndrom (FAS) fand jetzt die erste gemeinsame Fortbildungsveranstaltung der Pflegekinderdienste Landkreis und Stadt Gießen im Bürgerhaus Rödgen statt. Referenten waren Prof. Dr. Hans-Ludwig Spohr, Leiter des FAS Diagnosezentrums, und Heike Wolter, Ärztin in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Charité Berlin. Anhand von Fallbeispielen und Erlebnissen aus der Praxis berichteten sie über Symptome, Lebensläufe und mögliche medikamentöse Behandlungen.

 

Wie wichtig diese Art der Aufklärung für Pflegeeltern ist, weiß auch Sozialdezernent Hans-Peter Stock: „Die Thematik dieser Veranstaltung im Rahmen der interkommunalen Zusammenarbeit zeigt einmal mehr, welchen wertvollen Beitrag Pflegefamilien für unsere Gesellschaft leisten“. Vor fünf Jahren haben die Jugendämter des Landkreises und der Stadt Gießen begonnen, auch in diesem Themenspektrum zusammenzuarbeiten und im vergangenen Jahr eine Kooperation unter anderem für die Suche nach Pflegestellen und deren Weiterbildung gestartet. „So bündeln wir unsere Kräfte, um besser potenzielle Pflegepersonen ansprechen und später betreuen zu können“, sagen Liane Becker und Petra Sommer, Mitarbeiterinnen der beiden Pflegekinderdienste.

 

In Deutschland werden laut konservativen Schätzungen jedes Jahr 3000 bis 4000 Kinder mit FAS geboren. „Eine echte Therapie gibt es leider nicht, denn die Schädigungen des Gehirns im Mutterleib sind unwiderruflich“, erklärte Prof. Dr. Spohr. „Die beste Therapie sind Sie, die Pflegeeltern, die das Kind intensiv fördern. Denn diese Kinder funktionieren anders. Aber wir können sie empathisch, strukturiert und sicher auf ihrem Lebensweg begleiten.“

 

Das FAS ist schwer zu diagnostizieren und wird oftmals erst im Schulalter erkannt. Eltern und Betreuungspersonen stehen dann vor großen alltäglichen Herausforderungen und zweifeln an ihrer Erziehungskompetenz: Wie mit den grundlosen Wutausbrüchen und Hyperaktivität umgehen? Wie das fehlende Zeitgefühl komprimieren und Wissen vermitteln, damit ein eigenständiges Leben möglich wird? „Es war ein spannender und eindrucksvoller Tag, und ich habe in den Beschreibungen von Professor Spohr viele Momente im alltäglichen Leben mit meiner Pflegetochter wiedergefunden“, war das Fazit einer Pflegemutter aus Gießen nach der Veranstaltung. „Bisher haben wir noch keine klare Diagnose, aber ich werde mich dafür einsetzen, dass wir Klarheit bekommen, um unsere Pflegetochter bestmöglich zu fördern.“

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