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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Fischteichbesitzer aufgepasst: Wer einen Teich mit Zu- oder Abfluss zu natürlichen Gewässern hat, unterhält einen so genannten ‚Aquakulturbetrieb‘ und muss diesen beim Veterinäramt anmelden. Auch Hobbyteiche fallen nach der Fischseuchenverordnung unter den etwas unglücklich gewählten Begriff des Aquakulturbetriebs. Kürzlich gab es im Landkreis Gießen einen Ausbruch der anzeigepflichtigen Forellenseuche VHS (Virale hämorrhagische Septikämie), wie der Dezernent für Veterinärwesen, Dirk Oßwald, mitteilt und deswegen das Augenmerk auf präventive Maßnahmen und Meldepflichten lenkt. „Bei der Bekämpfung dieser Tierseuche ist aufgefallen, dass diverse Fischteiche nicht ordnungsgemäß gemeldet sind“, erklärt Dr. Stefanie Graff, Amtstierärztin beim Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis Gießen. „Vielen Fischteichbesitzern ist nicht bekannt, dass sie seit 2009 registrierungspflichtig sind und sich beim Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz hätten anmelden müssen.“

 

 

Selbst für kleine Gartenteiche, die Verbindung zu natürlichen Gewässern haben, gilt diese Registrierungspflicht, da auch von diesen Teichen eine Gefahr der Seuchenverschleppung ausgehen kann. Zum Beispiel kann – im Falle von Tierkrankheiten im Gartenteich – infektiöses Wasser über einen Graben in einen Bach oder einen Fluss abfließen und die Erreger ausbreiten. Auch der andere Weg ist denkbar: Infektiöses Wasser kann aus einem natürlichen Gewässer in den Gartenteich zufließen und die Tiere anstecken.

 

Laut Fischseuchenverordnung handelt es sich um einen Aquakulturbetrieb, sobald ein Fischteich Kontakt zu natürlichem Gewässer hat – egal welcher Größe. „Als wir im Jahr 2009 erstmals eine Registrierung von Fischteichen durchgeführt haben, störten sich viele Teichbesitzer fälschlicherweise an diesem Begriff, da sie der Meinung waren, einen ‚Teich‘ und nicht einen ‚Betrieb‘ zu besitzen“, erinnert sich Stefanie Graff und gibt zugleich zu, dass die Begrifflichkeit irreführend gewählt ist. Von der Registrierungspflicht sind Gartenteichbesitzer nur ausgenommen, wenn die Teiche keine Verbindung zu natürlichem Gewässer haben und das Wasser über die Kanalisation entsorgt wird.

 

Auch Hauptamtlicher Kreisbeigeordneter Dirk Oßwald appelliert als Dezernent für Veterinärwesen und Verbraucherschutz: „Bitte kommen Sie in Ihrem eigenen Interesse und im Interesse der Fischseuchenbekämpfung Ihrer Registrierungsverpflichtung nach und melden Sie Ihren Teich an, sofern er als Aquakulturbetrieb gilt. Nur so kann im Falle eines Seuchenausbruches schnell festgestellt werden, woher eine Seuche kommt und wohin sie unter Umständen weiterverbreitet wurde.“

 

Für Fragen zum Thema stehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz zur Verfügung, Telefon: 0641 9390-6200. Die Registrierungsformulare sind auf der Homepage des Landkreis Gießen hinterlegt: www.lkgi.de, Bereich Gesundheit Soziales Migration/ Tiere und Verbraucherschutz/ Bekämpfung von Tierseuchen; in der rechten Spalte befindet sich der Downloadbereich.

 

Informationen zu VHS (Virale hämorrhagische Septikämie)

 

Von Viraler hämorrhagischer Septikämie (VHS) sind in aller Regel Forellen betroffen. Es handelt sich um eine anzeigepflichtige Fischvirusseuche. Die Krankheit kann zu hohen Verlusten im Fischbesatz führen, stellt für den Menschen aber keine gesundheitliche Gefahr dar.

 

Bei Ausbruch dieser Erkrankung treten amtsveterinäre Schutzmaßregeln gemäß der Fischseuchenverordnung in Kraft. Dazu zählt neben den Bekämpfungsmaßnahmen im Ausbruchsbestand auch die Untersuchungsverpflichtung von Aquakulturbetrieben. So müssen die Veterinäre des Landkreises also auch z.B. Gartenteiche mit Verbindung zu natürlichem Gewässer im umliegenden Sperrgebiet überprüfen.

 

Die Forellenseuche wird durch ein Virus verursacht. Dieses Virus kann neben allen forellenartigen Fischen auch Hechte und Coregonen (Felchen, Maränen, Renken) befallen. Eine medikamentöse Behandlung der Fische ist bei der VHS nicht möglich. Die befallenen Fische sind apathisch und das Schwarmverhalten wird aufgelöst. Demnach werden häufig sogenannte Randsteher beobachtet, die man sogar mit der Hand einfangen kann. Zu den weiteren äußerlich erkennbaren Merkmalen gehören Glotzaugen und Dunkelverfärbung der Fische aufgrund der Konditionsschwäche. Einige oder sogar alle der genannten Merkmale können fehlen.

 

Der endgültige Nachweis findet durch eine virologische Untersuchung im Labor statt, wobei das Virusantigen nachgewiesen und differenziert wird. Diese Untersuchungen durch den hessischen Fischgesundheitsdienst beim Landesbetrieb Hessisches Landeslabor durchgeführt.

 

Zum Schutz gegen die Weiterverbreitung der Seuche müssen die betroffenen Teiche möglichst schnell geräumt werden. Nicht akut erkrankte Fische, die keine Blutungen in der Muskulatur aufweisen, können ausgemästet und als Lebensmittel verwendet werden. Die Abgabe von Lebendfischen ist nach Inkrafttreten der Sperrmaßnahmen jedoch nicht gestattet. Die Sperre wird erst dann aufgehoben, nachdem die betroffene Anlage geleert, gereinigt und desinfiziert wurde. Im aktuellen Fall ist dies mittlerweile geschehen, Sperre und Überwachungsgebiet sind wieder aufgehoben.

 

„Vorbeugen ist das A und O“, weiß Amtstierärztin Graff, „aufgrund der Tatsache, dass sich das Virus über Wasser und Fische, über Menschen aber auch über Vögel verbreiten kann, ist es wichtig, dass Fischhaltungsbetriebe vorbeugende seuchenhygienische Mindestmaßnahmen einhalten.“ Dazu gehört eine Minimierung des Besucherverkehrs sowie die Desinfektion des Schuhwerks und der Hände vor und nach Betreten des Betriebsgeländes bzw. des Gartens, in dem der infizierte Teich liegt. Auch die zum Einsatz kommenden Geräte müssen regelmäßig desinfiziert werden. Als weiterer Schutz gegen eine Verschleppung der Seuche durch Vögel (Kormorane, Graureiher), sollte die Teichanlage im Rahmen der baurechtlichen Möglichkeiten mit einer Überspannung versehen sein.

 

Die Erfahrung aus Vorjahren zeigt, dass der Lebendfischhandel bei VHS-Ausbrüchen eine Gefahr darstellen kann. Lebende Fische werden häufig ohne die notwendigen Transport- und Gesundheitsbescheinigungen zugekauft. „Aus seuchenhygienischer Sicht ist es unerlässlich, Lebendfische ausschließlich aus EU-anerkannten seuchenfreien Anlagen bzw. aus tiergesundheitlich überwachten Anlagen zuzukaufen“, warnt die Tierseuchenexpertin. Eigene Zuchtaktivitäten (regionale Urproduktion) tragen zudem dazu bei, vom Lebendfischzukauf unabhängig zu sein und so Fischseuchen vorzubeugen.

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