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„Die aktuelle Situation zurückgehender Flüchtlingszahlen bringt auch für den Landkreis Gießen eine leichte Entspannung“, sagt Landrätin Anita Schneider. Aktuell gibt es 3013 Geflohene im Landkreis Gießen, nachdem sie vom Land Hessen zugewiesen wurden. Davon leben rund 1100 in Wohnungen und weitere 1570 in Gemeinschaftsunterkünften. 342 Menschen sind in Notunterkünften untergebracht. Diese werden in wenigen Wochen abgebaut: Die Leichtbauhalle in Leihgestern spätestens zum 20. April, Lich bis 4. Mai und Großen-Buseck zum 25. Mai. 


Im Herbst kam es zu einer Notsituation bei der Unterbringung der Flüchtlinge, als wöchentlich weit über 100 Flüchtlinge im Landkreis Gießen ankamen. Diese Zahl wurde nach Einschätzung des Landes auf 140 Flüchtlinge pro Woche erhöht. „Der Landkreis war in dieser Lage gefordert, schnell Unterkünfte für die Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen“, sagt die Landrätin. Um nicht Turn- und Sporthallen oder Gemeinschaftshäuser belegen zu müssen, hat der Landkreis Gießen Notunterkünfte geschaffen. „Doch schon damals sind wir die Planung vorsichtig angegangen und haben zunächst die Zahlen und die daraus erwachsenden Anforderungen bis Ende März kalkuliert.“


Nun sorgt die derzeitige Situation einer rückläufigen Flüchtlingszuweisung/ankunft  für weitere Entspannung. Seit Jahresbeginn hatte das Land Hessen dem Landkreis wöchentlich 140 Flüchtlinge aus den Erstaufnahmeeinrichtungen zugewiesen. Aktuell hat sich diese Zahl auf im Schnitt 74 Flüchtlinge reduziert. Rechne man noch die durch Erfahrung gewonnene Zahl an Fluktuationen und Abschiebungen ein, kann der Landkreis für die nahe Zukunft mit 59 Flüchtlingen pro Woche planen. „Diese Momentaufnahme ermöglicht uns, wenn es dabei bleibt, mit der derzeitig bereits geschaffenen Kapazität an zusätzlichen Wohnraumcontainern bis Ende August eine Unterbringung zu garantieren.“ Weitere Container müssten nicht aufgestellt werden.


Diese gewonnene Zeit soll genutzt werden, um zusätzlichen Wohnraum zu finden. „Und wenn uns das Regierungspräsidium grünes Licht zum Zweckverband Sozialer Wohnungsbau gibt, um zusätzlichen bezahlbaren Wohnraum für alle Bürger zu schaffen, dann könnten wir von der Aufstellung weiterer Wohnraumcontainer absehen“, erläutert die Landrätin. In diesem Zusammenhang weist Anita Schneider auf die Internetseite des Landkreises Gießen (www.lkgi.de) hin. Dort sind entsprechende Kontaktdaten auf der Startseite zu finden. Außerdem sind weitergehende Informationen zur Vermietung von Wohnraum an Flüchtlinge aufbereitet. Mietangebote für Zimmer und Wohnungen können an asyl@lkgi.de oder für Häuser und andere Immobilien an hagen.roth@lkgi.de geschickt werden.


Der Landkreis Gießen wird aber auch weiterhin vorsichtig planen, maximal in der Vorschau auf ein halbes Jahr. „Die Zahlen unterliegen derzeit starken Schwankungen, so dass eine langfristige Planung nicht möglich und zu verantworten ist.“


Erfreulich sei es auch, dass sich auch die Situation in den Kommunen entspannen wird. Ende Januar hatten die Bürgermeister von 17 Städten und Gemeinden im Landkreis eine Planungsgröße für die Verteilung von Flüchtlingen festgesetzt: maximal drei Prozent der Bevölkerung einer Kommune. Diese soll sicherstellen, dass die Flüchtlinge sozialverträglich im Kreisgebiet untergebracht werden. Diese Planungsgröße ist aktuell deutlich unterschritten. Denn mit  rund 1,5 Prozent der Einwohnerzahl der Kommunen ist die Forderung der Bürgermeister derzeit nur etwa zur Hälfte ausgereizt. „Auch das verdeutlicht die spürbare Entlastung“, sagt Anita Schneider. 


Landrätin Schneider ist ein ausdrücklicher Dank besonders wichtig: „Die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer haben in den vergangenen Monaten Unglaubliches geleistet. Manche, wie ich weiß, bis an die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit – und darüber hinaus.“ Sie hätten dabei großes Verantwortungsgefühl gezeigt.