mehr Kontrast
Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Drei Personen stehen vor einem Bild„Scherben bringen Glück“, „Jetzt reicht’s“ oder „Schon wieder nichts gebacken bekommen“: Die Titel der Exponate der Ausstellung „Häusliche Gewalt – Fotografie macht Unsichtbares wahrnehmbar“ sind so verschieden wie ihre Motive. Gemein haben sie ein gesellschaftlich brisantes Thema. Die 18 Fotografien sind noch bis Mittwoch, 23. März, in der Reihe „Kunst am Riversplatz“ im ersten Stock der Kreisverwaltung am Riversplatz in Gebäude F zu sehen.



„Häusliche Gewalt ist ein Thema, das oft tabuisiert wird, denn Betroffene äußern sich meist nicht“, sagte Landrätin Anita Schneider bei der Vernissage. „Auf der anderen Seite ist dies ein Thema, das die gesamte Gesellschaft und uns alle angeht.“ Die ausgestellten Fototafeln setzen Aspekte von häuslicher Gewalt meist zurückhaltend, selten plakativ in Szene. Die Motive lösen Emotionen aus und liefern Stoff für Gespräche sowie Diskussionen.


„Der Kreisausschuss will mit diesen Ausstellungen auch Stellung zu aktuellen Themen beziehen“, erklärte Anita Schneider. Häusliche Gewalt sei auch nicht das Thema eines bestimmten Milieus: „Sie findet überall in unserer Gesellschaft statt, zwei Drittel davon alleine in Haushalten mit mittlerem und gehobenem Einkommen.“ Die Motive für häusliche Gewalt seien vielfältig: im beruflichen Wiedereinstieg und Erfolg von Frauen, gravierenden Veränderungen in der Partnerschaft wie Schwangerschaft oder der Geburt eines Kindes oder auch Trennungsabsichten. „Wir müssen hinhören und hinsehen – auch und gerade dort, wo wir keine häusliche Gewalt vermuten.“ Wichtig sei es, nicht die Augen zu verschließen.


An den Riversplatz geholt hat die Ausstellung die Kreisfrauenbeauftragte Angelika Kämmler. Sie ist das Ergebnis eines Projektes der Fachhochschule Hannover, Studiengang Fotojournalismus, in Zusammenarbeit mit dem „Verbund der Beratungs- und Interventionsstellen gegen häusliche Gewalt“ in der Region Hannover.


Ein weiterer Vernissage-Redner war Stefan Jilg. Der Erste Polizeihauptkommissar arbeitet als Leiter des Stabsbereichs Prävention am Polizeipräsidium Mittelhessen und hat häufig mit dem Thema häusliche Gewalt zu tun. „Ich danke dem Landkreis, dass dieses brisante gesellschaftliche Thema jenen Raum erhält, den es braucht“, sagte er. Außerdem rege die Ausstellung dazu an, sich darüber Gedanken zu machen, warum die polizeilichen Statistik etwas ganz anderes enthielten, als das, was täglich passiere. „Häusliche Gewalt macht oft sprachlos, weil sie von einem Menschen ausgeht, dem wir emotional vertrauen und das in einem Umfeld, das wir als Schonraum sehen.“ Der Sammelbegriff enthalte sowohl leichte Körperverletzungen bis zu Tötungsdelikten.


Ein Bild der Ausstellung: Ein Kleid hat sich an einem Strick aufgehängtBis Mai 2013 hatte die Polizei keine Handhabe, wenn sie zu einem häuslichen Konflikt hinzugerufen worden war. Denn: Betroffene schweigen oft. Es sei einfach ein großer Schritt, bis Opfer sagen können: „Ich schlage einen neuen Weg ein.“ Das Gesetz zur Stärkung der Täterverantwortung enthält für die Beamten seitdem eine Anzeigepflicht, wenn sie auf häusliche Gewalt treffen. Das heißt: Nicht das Opfer muss aktiv werden und Anzeige stellen, sondern die Polizei wird es.


Ratsuchende können sich an das Hilfetelefon 08000116016 wenden oder an Beratungsstellen, die mit dem Arbeitskreis „Frauen gegen Gewalt im Landkreis Gießen“ kooperieren. Nähere Informationen sind bei der Kreis-Frauenbeauftragten Angelika Kämmler erhältlich, Telefon: 0641 9390-1490, E-Mail: angelika.kämmler@lkgi.de Sie hat auch ein Faltblatt erstellt, das über Formen häuslicher Gewalt informiert und Hilfestellung für Betroffene bietet. Es liegt in der Ausstellung bereit.


Die Foto-Ausstellung „Häusliche Gewalt – Fotografie macht Unsichtbares wahrnehmbar“ ist bis 23. März jeweils Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie Freitag von 8 bis 14 Uhr geöffnet.

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