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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

Rollenspiele und Reflektionen: In kleinen Gruppen und vertrautem Rahmen werden beim Landkreis Gießen unter Begleitung von Manuela Ehmer-Pixner und Oscar Pixner (stehend) Führungskräfte gecoacht. Auch Landrätin Anita Schneider gehört zu den 110 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Diese sitzen im Halbkreis in einem Sitzungsraum.Die Kaffeetasse klappert, weil A mit dem Zeigefinger auf die Tischkante klopft, um seinen Argumenten Nachdruck zu verleihen. Teamleiter A meint das nicht böse. Er ist einfach impulsiv. Und jetzt will er eine Menge Ideen für das neue Projekt loswerden. Mitarbeiter B hätte auch eine Idee gehabt. Aber soll er die jetzt noch ansprechen?


Die Szene dieses Büro-Meetings ist fiktiv. Für die elf Frauen und Männer, die im Halbkreis in einem Konferenzraum der Gießener Kreisverwaltung sitzen, ist es aber eines von vielen Beispielen für die Tücken von Kommunikation. Ohne Kommunikation klappt es nicht zwischen Menschen, erst recht nicht im Team. Und alle, die hier im Kreis sitzen, führen ein Team: Einige seit vielen Jahren, andere erst seit einigen Wochen. Aber wie geht das überhaupt - führen?


Es geht um Stärken, Empathie und Rollenverständnis – völlig wertfrei


„Die Antwort ist ein Schlüssel dafür, ob Beschäftigte sich an ihrem Arbeitsplatz wohlfühlen, ob sie Stärken einbringen und zum Gelingen von Aufgaben beitragen können“, sagt Landrätin Anita Schneider.
Der Landkreis Gießen hat vor kurzem das umfangreichste Coaching in seiner Geschichte gestartet. Insgesamt drei Jahre sind für die Seminareinheiten vorgesehen, die der Landkreis wegen des finanziellen Volumens - eine untere sechsstellige Summe - europaweit ausgeschrieben hatte. Der Zuschlag ging an ein Unternehmen aus Lutherstadt Wittenberg, das Trainerehepaar Manuela Ehmer-Pixner und Oscar Pixner, die seit 30 Jahren Führungskräfte in deren Entwicklung begleiten. In der Kreisverwaltung Gießen gehen von Teamleitern bis zu den Dezernenten alle in die „Schule“ – auch Landrätin Schneider selbst.


Es ist eine Klausur in kleinen Gruppen: Drei Tage zum Auftakt, in regelmäßigen Abständen folgen Follow-Up-Termine zum Festigen und nachhaltigen Umsetzen bis ins Jahr 2023. Wer teilnimmt, erfährt einen individuellen Austausch in der Gruppe, der mit praktischen Übungen und Video-Analysen gefüllt wird. „In diesem vertrauten Rahmen können sich die Teilnehmenden mit ihren Erfahrungen einbringen und an sich nachhaltig arbeiten“, sagt Referentin Manuela Ehmer-Pixner. Das erfordert eine vertraute Atmosphäre. „Wer in den Gruppen sitzt, der gibt etwas von sich preis.“ Es geht um Stärken, Schwächen, Wünsche, Erwartungen und den ganz normalen Alltag. Das alles vollkommen wertfrei. „Nur, wer sich selbst kennt, kann andere Menschen führen“, sagt Oscar Pixner. Dass „Leiten“ nicht automatisch „Führen“ bedeutet, erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gleich zu Beginn. Und auch, dass sie als Führungskräfte verschiedene Rollen einnehmen und dafür oft zuerst an sich selbst arbeiten müssen. „Kommunikation ist eine Kunst“, weiß Pixner, „aber man kann sie erlernen.“


Große Herausforderung, Fachpersonal zu gewinnen und zu binden


Dass der Landkreis Gießen als öffentliche Verwaltung ein solch umfassendes Coaching umsetzt, hat gute Gründe, wie Landrätin und Personaldezernentin Anita Schneider erklärt: „Wir sind ein breit aufgestellter Dienstleister. Wir stehen aber auch vor der großen Aufgabe, für die Zukunft Fachpersonal zu gewinnen und zu binden.“ Dabei seien Herausforderungen wie der Wandel hin zu immer mehr digitalen Dienstleistungen zu berücksichtigen. „Wir sind als Landkreis mehrfach als familienfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert worden und ermöglichen bereits jetzt über 200 verschiedene Arbeitszeitmodelle. Ebenso wichtig ist es aber, durch eine gute Kultur und professionelle Mitarbeiterführung dazu beizutragen, dass Fachkräfte bleiben.“


Der hohe Bedarf an Nachwuchs- und Fachpersonal für die öffentliche Verwaltung zeigt sich bereits jetzt ganz erheblich, wie Thomas Knoblauch, Fachdienstleiter Personalentwicklung, weiß. „Dabei spielt auch eine Rolle, dass wir in Mittelhessen über gleich mehrere große öffentliche Institutionen und Verwaltungen verfügen.“ Interne Erhebungen in der Kreisverwaltung ergaben, dass es einen Bedarf für das Führungskräftecoaching gibt. „Darum sind wir die Aufgabe angegangen und gespannt auf die Resonanz.“

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