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Zufallsbild aus dem Landkreis Giessen

(v.l.) Teresa Gimbel (WIR-Fallmanagerin für Geflüchtete des Landkreises Gießen), Landrätin Anita Schneider, George Tourou, Basher Ali, Eduard Galyschew (WIR-Koordinator Stadt Gießen), Maria Roham, Ghalia Abojanb, Integrationsdezernent Istayfo Turgay und Lilit Nazarian. (Foto: Landkreis Gießen) Was macht die Bauaufsicht? Was tut eine Kämmerei? Und welche Gesetze geben die Aufgaben einer großen Kommunalverwaltung in Deutschland vor? Zwei syrische Praktikantinnen und ein Praktikant erhalten ein Jahr lang Einblicke beim Landkreis Gießen. Das Ziel: Die Vorbereitung auf einen Wiederaufbau in ihrem Heimatland.

 

Lilit Nazarian hat in Syrien eine Ausbildung als Grafikerin absolviert. Maria Roham hat Wirtschaftswissenschaften studiert. George Tourou ist Bauingenieur. Seit September 2018 absolvieren sie im Rahmen des bundesweiten Projekts „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“ ein einjähriges Praktikum in der Verwaltung des Landkreises Gießen. Im Laufe dieses Jahres durchlaufen sie mehrere Fachbereiche, um einen möglichst breiten Einblick in die Strukturen der Verwaltung zu erhalten.

 

„Wir möchten mit der Teilnahme am Modellprojekt unseren Teil dazu beitragen, geflüchtete Menschen zu qualifizieren und ihnen Perspektiven – auch in ihrem Heimatland - zu bieten“, sagt Landrätin Anita Schneider.

 

Die Möglichkeit, ein Praktikum in der Verwaltung zu absolvieren, stieß auf großes Interesse. „Es gab eine Vielzahl von Bewerbungen und viele gute Bewerbungsgespräche“, berichtet Istayfo Turgay, ehrenamtlicher Kreisbeigeordneter und Dezernent für Integration des Landkreises Gießen. Das Praktikum in einem einzelnen Fachbereich dauert in der Regel etwa drei Monate, sodass am Ende des Praktikums umfassende Einblicke in vier bis fünf Fachbereiche möglich sind.

 

Das Projekt „Qualifizierung von syrischen Geflüchteten in deutschen Kommunalverwaltungen“ wird finanziert und unterstützt durch die Servicestelle Kommunen in der Einen Welt (SKEW), im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

 

Landkreis Gießen ist eine von sieben Modellkommunen bundesweit

Insgesamt wurden bundesweit sieben Modelkommunen ausgewählt, um das Projekt umzusetzen – eine davon ist der Landkreis Gießen. Die weiteren sind die Gemeinde Beverstedt, die Städte Darmstadt, Krefeld und Maintal sowie die Landkreise Donau-Ries und Hameln-Pyrmont.

 

Ziel ist die Vorbereitung von Geflüchteten auf den Wiederaufbau kommunaler Strukturen in Syrien. Dies betrifft sowohl die Infrastruktur als auch den Aufbau von Kommunalverwaltungen und kommunalpolitischen Strukturen. Dafür ist qualifiziertes Personal nötig.

 

Der Landkreis Gießen bietet den Praktikantinnen und Praktikanten die Aussicht, im Anschluss eine Ausbildung in der Kreisverwaltung zu absolvieren. Geprüft werde derzeit die Bereitstellung eines Ausbildungsplatzes für die Teilnehmenden an diesem Projekt.

 

Schwerpunkte sind Planen, Soziales und Demokratie

 

Themenschwerpunkte während des Praktikums sind die Bereiche Planen, Soziales und Demokratie. „Die Einblicke sind vielfältig und interessant“, sagt George Tourou. Er sei vor allem beeindruckt von Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie den Vorkehrungen zur Korruptionsprävention. Lilit Nazarian freut sich über den wertschätzenden Umgang mit den Kolleginnen und Kollegen: Sie wünscht sich auch, mit einer nützlichen Arbeit Dankeschön für die Hilfe zu sagen, die ihre Familie und sie erfahren haben. Maria Roham findet, das Praktikum sei eine tolle Herausforderung und eine gute Perspektive für die Zukunft.

 

Die Stadt Gießen hat Unterstützung angeboten und Interesse daran gezeigt, weiteren Bewerberinnen und Bewerbern die Möglichkeit zu bieten, ein Praktikum in einer Verwaltung zu absolvieren: Am 15. Dezember hat der Landkreis Gießen Basher Ali und Ghalia Abojanb, die ebenfalls aus Syrien stammen, als weitere Praktikanten eingestellt. Im Rahmen einer Abordnung absolvieren sie ein sechsmonatiges Praktikum bei der Stadt Gießen.

 

Von der Möglichkeit, sich auf ein Praktikum zu bewerben, haben die Teilnehmenden über die Kreisvolkshochschule, die ZAUG gGmbH und das Büro für Integration der Stadt Gießen erfahren.

 

Den bundesweit ausgewählten Praktikantinnen und Praktikanten wird zudem von der SKEW ein Workshop zum Erfahrungsaustausch angeboten. Der erste von zwei Workshops fand vom 5. bis 7. Dezember in Bonn statt. Der nächste ist bereits geplant.

Aktueller Hinweis

Die Kreisverwaltung Gießen öffnet schrittweise für den eingeschränkten Publikumsverkehr.

 

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