Das tut der Landkreis

Strategien für den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel

Der Landkreis Gießen engagiert sich bereits seit vielen Jahren kontinuierlich im Klimaschutz und hat seit 2011 das Sachgebiet Regionale Energiepolitik mit einer unbefristeten Vollzeitstelle eingerichtet.

2017 wurde im Rahmen einer Exzellenzförderung des Bundesumweltministeriums der Masterplan 100% Klimaschutz erstellt. Diese ambitionierte Klimaschutzstrategie wird seit 2018 umgesetzt und um verschiedene Teilaspekte ergänzt und vertieft.

Was ist der Masterplan 100% Klimaschutz?

Mit dem Förderprogramm „Masterplan 100% Klimaschutz“ unterstützte das Bundesumweltministerium in den Jahren 2012 und 2016 41 besonders klimaschutzaktive Kommunen und Landkreise dabei, Strategien und Maßnahmen zu entwickeln, um die vom Bund festgelegten Klimaschutzziele zu erreichen. Diese sind sehr ambitioniert: Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2050 um 95 Prozent und der Endenergieverbrauch um 50 Prozent gegenüber 1990 gesenkt werden. Der Landkreis Gießen wurde als einer von neun Landkreisen bundesweit ausgewählt.

Ein integriertes Klimaschutzkonzept wurde bereits 2013 unter Beteiligung vieler Bürger:innen für den Landkreis erstellt und umgesetzt. Der Masterplan baute auf diesem Konzept auf, behandelte aber auch Themenfelder und Aspekte, die zuvor noch nicht tiefergehend betrachtet wurden.

Der Masterplan 100% Klimaschutz bietet eine gute Grundlage für die Klimaschutzaktivitäten und wurde seit seiner Fertigstellung in einigen Teilbereichen ergänzt und vertieft (zum Beispiel kreisübergreifendes Elektromobilitätskonzept).

Aktuell erarbeitet der Landkreis gemeinsam mit seinen Städten und Gemeinden eine umfangreiche Strategie zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels.

Mindmap zum Masterplan

Erneuerbare Energien im Landkreis Gießen

Es gibt ingsgesamt 19 Windkraftanlagen, die im Jahresmittel 33.000 Haushalte im Landkreis Gießen mit sauberem Strom versorgen. Noch mehr Energie kommt aus Solarkraftwerken: Die Erzeugung reicht für den Stromverbrauch von über 98.000 Haushalten. Unabhängig vom Wetter laufen 14 Biomasse- sowie 6 Wasserkraftwerke und erzeugen Strom aus regionalen Ressourcen.

Trotzdem bleibt noch viel Potenzial für weitere Kraftwerke. Auf geeigneten Flächen kann die Leistung von Photovoltaik und Windkraft problemlos und umweltfreundlich auf das doppelte bis dreifache ausgebaut werden – der Weg für den Landkreis in eine saubere und unabhängige, regionale Energieversorgung.

Schaubild

Wer gerne wandert oder Fahrrad fährt, kann sich selbstständig auf den landschaftlich schönen wie auch sportlich fordernden Touren von einer Erzeugungsanlage zur nächsten lotsen lassen.

Erfolgsgeschichte Photovoltaik

Die Entwicklung der Photovoltaik in Deutschland ist beeindruckend – auch im Landkreis Gießen. In den Jahren 2022 bis 2024 wurden so viele neue Anlagen aufgebaut, wie noch nie zuvor. 25 Prozent mehr an Solarenergie wurde gewonnen im Vergleich zum Jahr 2021. Getragen wird diese Entwicklung fast alleine von den über 6000 neuen Dachanlagen auf Häusern und Hallen.

Die preisgünstige Nutzung von Photovoltaik auf Freiflächen hat dagegen noch reichlich Entwicklungspotenzial. Um diese Potenziale auszuloten, hat das Klimaschutzteam des Landkreises zusammen mit dem Bürgerforum der LEA (LandesEnergieAgentur Hessen) und zwei Fachbüros eine neue Potenzial-Analyse für Freiflächen erstellt. Ziel ist dabei, die Eingriffe in Natur, Umwelt und auch in das Alltagsleben der Menschen gering zu halten.

So entstanden für jede Kommune im Landkreis spezielle Karten und Steckbriefe. Diese berücksichtigen die rechtliche und ökonomische Situation und weisen Flächen aus, die für andere Nutzungen unattraktiv sind – etwa entlang von Autobahnen und Bahnstrecken oder auf ehemaligen Tagebau-Flächen und ertragsschwachen Agrarflächen. Waldgebiete bleiben für die PV-Nutzung generell ausgeschlossen ebenso wie Landschafts- und Naturschutzgebiete.

Die Karten wurden nach Abschluss der Analyse im Rahmen einer Infoveranstaltung des Landkreises im September 2024 jeder Kommune übergeben. Mit diesen Karten können Kommunen selbst aktiv werden oder in Ausschreibungen für Solarkraftwerke gehen, die umweltfreundlich Strom im Stadt- oder Gemeindegebiet erzeugen und gleichzeitig zusätzliche Einnahmen für die lokale Bevölkerung und das Gemeinwesen erwirtschaften.