Stille Stunde schafft mehr Inklusion im Supermarkt
In Grünberg können sensible Personen immer mittwochs in reizarmer Umgebung ihren Einkauf erledigen
Mittwochs wird es für zwei Stunden stiller als sonst im REWE-Markt im Zentrum von Grünberg. Kaufmann Tim Schäfer erklärt, warum: „Wir setzen hier ab sofort immer mittwochs von 11 bis 13 Uhr die so genannte Stille Stunde um. Dafür schalten wir das Radio aus, die Kassengeräusche werden leise gestellt und unsere Mitarbeiter verzichten auf Durchsagen und Telefongespräche im Markt. Außerdem wird in dieser Zeit möglichst wenig Ware verräumt, so dass es in den Gängen ruhiger ist als sonst.“
Von inklusiven Angeboten profitieren viele Personenkreise
Mit diesen Maßnahmen möchte der Kaufmann vor allem Personen entgegenkommen, denen die oft laute und betriebsame Umgebung im Supermarkt Unbehagen verursacht, weil sie zum Beispiel besonders empfindsam sind, eine unsichtbare, mentale Behinderung oder sensorische Einschränkungen haben.
Angeregt hatte die Stille Stunde der Landkreis Gießen, angeführt vom Beirat für die Belange von Menschen mit Behinderung. Dessen Geschäftsführer, Michael Volter, erklärt: „Wir machen uns dafür stark, dass auch unsichtbare Behinderungen gesehen werden und betroffene Menschen Inklusion erleben können. Deswegen haben wir die Idee der Stillen Stunde gern aufgenommen, um sie im Landkreis Gießen bekannt zu machen. Wir hoffen, dass demnächst in möglichst vielen Bereichen des täglichen Lebens die Stille Stunde umgesetzt werden kann.“
Viele Stellen bemühen sich um ein verständnisvolles Miteinander
Michael Volter dankt allen, die bereits mitmachen und in ihren Läden die Dauerbeschallung abschalten, Töne leiser stellen, das Licht dimmen und einfach sensibel sind für besondere Bedürfnisse der Kundschaft. Zudem lobt er alle Mitstreiter und Unterstützer, die solche Aktionen fördern und bewerben: aktive Beiratsmitglieder, Gremien der Politik, Selbsthilfegruppen, unterstützende Vereine und Initiativen, und nicht zuletzt die Lebenshilfe.
Deswegen waren beim Auftakttermin in Grünberg neben den Ideengebern auch die Stadt Grünberg, vertreten durch Silke Arbeiter-Löffert vom Familienzentrum und dem Kinder- und Jugendbüro der Stadt, die Lebenshilfe mit dem Programm „Vereine werden inklusiv“ und Jörg Luckert, sowie Reiner Nitsch vom Verein Autismus Mittelhessen und der Vorsitzenden der VdK-Ortsgruppe Beltershain/Reinhardshain, Yvonne Diehl, vor Ort, um auf die Stille Stunde aufmerksam zu machen.
Landkreis und Organisationen werben für Stille Stunde auch in anderen Läden
Frank Ide, Sozialdezernent im Landkreis Gießen, freut sich über die breite Unterstützung und das Bemühen um Inklusion. Er sagt: „Alle Menschen sollen ihren Alltag möglichst eigenständig bestreiten können. Schon ein Wechsel der Perspektive hilft oft, Möglichkeiten der Inklusion aufzuzeigen. Deswegen ist die Stille Stunde auch so wirkungsvoll: Sie hilft allen, die sich eine ruhige Atmosphäre beim Einkauf oder im Alltag wünschen. Davon können alte Menschen genauso profitieren wie mental eingeschränkte oder erkrankte Personen, aber auch zum Beispiel junge und alte Menschen, die von Neurodivergenz betroffen sind.“
Er hofft, dass weitere Läden und Märkte versuchen, auf diese breite Personengruppe einzugehen. Denn neben Supermärkten und Kaufhäusern können auch Dienstleistungsunternehmen ihre Geschäfte durch die Stille Stunde für die Zielgruppe attraktiver machen.
Natürlich freute sich Frank Ide sehr, dass die Stille Stunde jetzt auch bei „seinem heimischen REWE-Markt“ eingeführt wird. Er dankte Tim Schäfer für die Bereitschaft, dies ab sofort regelmäßig durchzuführen.
Mitmachen im eigenen Laden gewünscht!
Die Stille Stunde ist ein Projekt des Vereins gemeinsam zusammen e.V. Weitere Informationen zur Stillen Stunde sind zu finden unter www.stille-stunde.com.
Wer Interesse hat, die Stille Stunde auch in seinem Geschäft im Landkreis Gießen anzubieten, kann sich an Michael Volter wenden: Telefon: 0641 9390-9206, E-Mail: michael.volter@lkgi.de

