Personen stehen in einem gemütlichen Aufenthaltsraum um einen Stehtisch herum.
Veröffentlicht am: 04.12.2025|Kategorien: Kinder und Jugend, Soziales|

Dritte Projektlaufzeit für das Ausbildungswohnen „Sprungbrett“

Unter pädagogischer Anleitung lernen Jugendliche auf eigenen Beinen zu stehen

Der Landkreis Gießen setzt seine erfolgreiche Kooperation mit dem Friedrich-Naumann-Haus e. V. fort und bewilligt eine weitere dreijährige Förderperiode für das Ausbildungswohnen „Sprungbrett“ in Langgöns. Ab dem 1. Dezember startet das Projekt in seinen inzwischen dritten Zyklus. Der Landkreis unterstützt das Angebot ab dem neuen Förderzeitraum mit jährlich 55.000 Euro.

Seit dem Projektstart im Dezember 2019 bietet „Sprungbrett“ jungen Menschen in herausfordernden Lebenslagen ein stabiles Wohnsetting sowie umfassende pädagogische Begleitung während ihrer Berufsausbildung. Die sieben Wohnplätze ermöglichen sozial benachteiligten Auszubildenden oder jungen Menschen mit Flucht- oder Belastungsbiografien einen sicheren Rahmen, um Ausbildung und Alltag erfolgreich zu bewältigen.

Das Projekt habe sich als erfolgreiche Kooperation herausgestellt, sagt Landrätin Anita Schneider: „Unser Ziel ist es, dass die jungen Menschen in diesem Haus nach ihrer Ausbildung auf eigenen Beinen stehen können und sich in der Berufswelt gut zurechtfinden. Und jeder, der hier gestartet ist, hat seine Ausbildung erfolgreich beendet.“ 2020 wurde das Ausbildungswohnen in Langgöns mit dem zweiten Platz des Hessischen Demografie-Preises ausgezeichnet.

Ein Ort zum Leben und Lernen

Aktuell leben fünf junge Männer und eine Frau in der Wohngemeinschaft. Die Bewohnerinnen und Bewohner absolvieren Ausbildungen in unterschiedlichen Branchen, vom Malerhandwerk bis Einzelhandel. Das gemeinsame Wohnen bringt die unterschiedlichen kulturellen, biografischen und sozialen Hintergründe zusammen und schafft ein lebendiges Lern- und Lebensumfeld. Um das Eis zu brechen, werden regelmäßig Freizeitaktivitäten geplant, die die jungen Leute gerne annehmen.

Neben der beruflichen Qualifizierung lernen die Jugendlichen im Projekt vor allem, wie sie einen Haushalt führen, den Alltag planen, Finanzen organisieren und Konflikte konstruktiv lösen können. Beim gemeinsamen Kochen, Putzen und im alltäglichen Miteinander entsteht gelebte Solidarität. Unterstützt werden sie von zwei pädagogischen Fachkräften, die täglich im Haus präsent sind. Jeder Jugendliche hat ein eigenes Zimmer und teilt sich das Bad mit einer weiteren Person. Die Küche, Gemeinschaftsräume, ein Fitnessraum und ein weitläufiger Garten stehen allen Bewohnerinnen und Bewohnern gleichermaßen offen. Wie im späteren Leben zahlen sie ganz normal Miete.

Sozialdezernent Frank Ide würdigt das Ausbildungswohnen als ein wichtiges Angebot für den Landkreis: „Wir stärken mit diesem Projekt nicht nur junge Menschen während einer entscheidenden Lebensphase, sondern tragen auch zur Ausbildungsmarkt-Stabilität und zur Attraktivität des ländlichen Raums bei. Hier wurde von Anfang an gute Arbeit geleistet. Das zeigt sich auch darin, dass die Bewohnerinnen und Bewohner regelmäßig Jahrgangsbeste in ihren Ausbildungsbetrieben sind.“

Pädagogische Fachkräfte geben den Jugendlichen Orientierung

Das Projekt arbeitet eng mit ZAUG gGmbH und der Vitos Klinik Gießen zusammen. Dadurch erhalten auch junge Menschen mit besonderen Belastungen Zugang zu einem tragfähigen Unterstützungssystem. Die professionelle Begleitung durch die Pädagogen reicht von Alltagsorganisation, Konfliktmoderation und psychosozialer Beratung bis hin zu Unterstützung bei Prüfungen, Job- und Wohnungssuche nach der abgeschlossenen Berufsausbildung.

„Es ist beeindruckend, was die jungen Leute hier im Haus leisten“, sagt Einrichtungsleiter Alexander Thys. „Unsere Pädagogen sind nur einige Stunden unter der Woche vor Ort, den Großteil der Zeit leben die Jugendlichen eigenverantwortlich. So bekommen sie auch ein Verständnis dafür, was es heißt, zur Miete zu wohnen. So können sie gut vorbereitet in ihr eigenständiges Leben starten, was unsere Einrichtung ja auch im Namen trägt.“

Mit der erneuten Bewilligung der Fördermittel wird das Projekt langfristig abgesichert. „Sprungbrett“ bleibt damit ein zentrales Bausteinangebot im Übergang von Schule zu Beruf im Landkreis Gießen – und ein Beispiel für gelingende Ausbildungsförderung und soziale Integration junger Menschen.

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