Mit dem Niedermoor am Eichbusch kehrt seltener Lebensraum für Pflanzen und Tiere zurück
Beispielhafte Renaturierung bei Alten-Buseck
Es blüht, Insekten summen, torfig-dunkle Erde glänzt feucht in der Sonne. Wo bis vor kurzem alte Fundamente, Baumstümpfe, Schotter und Drainagerohre im Boden steckten, wacht nun ein seltener Lebensraum wieder auf: das Niedermoor am Eichbusch zwischen Alten-Buseck und Daubringen. Das Moor ist in seiner Art nicht nur eine Seltenheit im Landkreis Gießen, sondern auch weit darüber hinaus. In mehreren Abschnitten ist es in enger Zusammenarbeit zwischen der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Gießen und der Landschaftspflegevereinigung (LPV) Gießen wiederhergestellt worden.
Niedermoore sind durch das Naturschutzgesetz geschützt, sollen wiederhergestellt und erhalten werden. Das Gesamtvolumen des Projekts beträgt rund 200.000 Euro, die aus dem sogenannten Ersatzgeld für Ausgleichsmaßnahmen fließen. Während die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Gießen das Projekt auf den Flächen der Gemeinde Buseck seit 2020 fachlich vorbereitete und die Finanzierung ermöglichte, begleitete die Landschaftspflegevereinigung die Maßnahme von der Antragstellung bis zur Umsetzung.
Insgesamt wurden 1600 Tonnen Bodenaushub entfernt
„Moore sind nicht nur wichtiger Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere, sondern auch für den Klimaschutz bedeutend, weil sie CO2 speichern“, sagt Kreis-Naturschutzdezernent Christian Zuckermann. „Dass wir diesen seltenen Lebensraum wiederherstellen konnten, ist ein toller Erfolg und beispielhaft für andere Projekte.“ Denn jahrzehntelang war das Niedermoor verschwunden. Die Flächen waren trockengelegt und wurden zum Teil als Kleingarten genutzt. 2019 wurden sie während einer Moorkartierung entdeckt.
Die Arbeiten zur Renaturierung erfolgten in zwei Bauabschnitten. Zunächst wurde Anfang 2025 ein rund 600 Quadratmeter großer Bereich des Moores wiederhergestellt, Anfang 2026 folgte ein weiterer Abschnitt mit etwa 2500 Quadratmetern Fläche. Um den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen, wurden unter anderem alte Drainagen beseitigt, Fundamente, Schotter und Baumstümpfe entfernt und das Gelände so modelliert, dass Regen- und Quellwasser künftig möglichst lange auf der Fläche verbleiben. Zusätzlich wurden flache Gewässer angelegt, die den Wasserhaushalt unterstützen. Insgesamt wurden mehr als 1600 Tonnen Bodenaushub entfernt.
„Nur wenn das Gelände und der typische Torf dauerhaft nass sind, kann sich der Lebensraum langfristig regenerieren“, erklärte Katharina Habenicht, Fachdienstleiterin Naturschutz beim Landkreis Gießen.
Niedermoore gehören zu den seltensten und wertvollsten Lebensräumen Deutschlands. Während sie vor allem in Norddeutschland und im Alpenvorland vorkommen, sind sie in Hessen nur noch vereinzelt zu finden. Kennzeichnend ist ihre mindestens 30 Zentimeter starke Torfschicht, die sich über Jahrhunderte gebildet hat. In diesen dauerhaft nassen Böden können sich hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten entwickeln, die auf andere Lebensräume nicht ausweichen können. Darüber hinaus speichern Moore Wasser, stabilisieren so den Wasserhaushalt und können die Auswirkungen längerer Trockenperioden abmildern. Viele dieser Lebensräume sind in den vergangenen Jahrzehnten durch Entwässerung, Verbuschung oder intensive Nutzung stark geschädigt worden oder ganz verschwunden. Damit sich der Lebensraum am Eichbusch dauerhaft entwickeln kann, werden die Flächen künftig regelmäßig gepflegt: Zweimal jährlich soll schonend per Hand gemäht werden.

