Landkreis Gießen realisiert Ökopunkte-Projekt in der Horloffaue
Renaturierungsfläche in der Horloffaue kompensiert Eingriffe in die Natur durch Schul- und Straßenbaumaßnahmen
Neue Straßen, neue Schulgebäude – wenn der Landkreis Gießen oder andere Vorhabenträger bauen, bewirkt das häufig auch einen Eingriff in die Natur. Um an anderer und geeigneter Stelle verlorenen Lebensraum zu kompensieren, müssen solche Eingriffe nach dem Naturschutzrecht ausgeglichen werden. Dies kann auch über sogenannte Ökopunkte geschehen: Sozusagen eine Werteinheit, die durch Renaturierungsmaßnahmen wie auf einem Konto angespart und bei Bedarf für Bauprojekte ausgegeben werden können. Der Landkreis Gießen hat nun mit der Renaturierung von landkreiseigenen Flächen in der Horloffaue zwischen Trais-Horloff und Utphe die Voraussetzung für ein erstes eigenes Ökopunktekonto geschaffen: Die rund 16 Hektar große Fläche wird extensiv durch Rinder beweidet, was langfristig eine deutliche ökologische Aufwertung bedeutet. Durch die an die Standortverhältnisse angepasste Bewirtschaftung werden die dort vorkommenden Vogel- und Amphibienarten unterstützt.
Die Rinder beweiden die Fläche, die für das Mähen zu nass sind, halten die Vegetation so in Schach und schaffen vereinzelt offene Bodenstellen. Dadurch profitieren die beiden Artengruppen. Ihr Lebensraum entspricht dann ihren Bedürfnissen und sie können sich vermehren und die Population vergrößern. Die Anzahl der Rinder hängt dabei von den Bodenverhältnissen ab. Auch die Brutzeiten der Vogelarten im Gebiet werden berücksichtigt. In den nächsten Jahren soll die Horloffaue insgesamt rund 1,9 Millionen Ökopunkte für den Landkreis generieren.
Qualität der Maßnahmen wird sichergestellt
Die Ökopunkte können sowohl zur Kompensation eigener Bauvorhaben genutzt, oder – sofern ausreichend Punkte vorhanden sind – auch an Dritte veräußert werden. Voraussetzung ist jeweils, dass die prognostizierte Entwicklung der Ökokontofläche durch ein Monitoring nachgewiesen wird. Bereits vor Ablauf der zehnjährigen Frist können anteilig Punkte entnommen werden, wenn die ökologischen Verbesserungen im Monitoring bestätigt wurden. Das Projekt ist das erste seiner Art des Landkreises und ist aufgrund seiner Größe außergewöhnlich.
„Mit unserem Ökopunkte-Projekt in der Horloffaue schaffen wir eine Win-Win-Situation: Einerseits profitiert die Natur von der Aufwertung der rund 16 Hektar großen Fläche. Andererseits schaffen wir einen Mehrwert für den Landkreis, um künftige Bauprojekte mit eigenen Ökopunkten umsetzen zu können. Dies spart dem Landkreis perspektivisch viel Geld, da wir die in Zukunft für unsere Projekte benötigten Ökopunkte nicht einkaufen müssen“, betont Erster Kreisbeigeordneter und Baudezernent Christopher Lipp.
Auch Naturschutzdezernent und Kreisbeigeordneter Christian Zuckermann sieht im Projekt ein wichtiges Signal: „Das erste Ökopunktekonto des Landkreises ist ein Meilenstein. Es zeigt, dass wir innovative Wege gehen, um Naturschutz und notwendige Infrastruktur in Einklang zu bringen.“ Vor Ort machten sich die Kreisbeigeordneten ein Bild von der Fläche und informierten sich beim Geschäftsführer der BGSW Grass GmbH & Co. KG, Frank Bernshausen, der die Bewirtschaftung der Fläche im Jahr 2023 übernommen hat und der Leiterin der UNB, Katharina Habenicht über die Umsetzung der Maßnahme und Entwicklung der Fläche.

