Gruppenfoto von Vertreterinnen des Landkreises Gießen, des Vereins Eltern helfen Eltern e.V. und Gästen aus der Partnerstadt Mubende
Veröffentlicht am: 14.11.2025|Kategorien: Landkreis entdecken|

Unterstützung für Teenager-Mütter in Mubende

Vertreterinnen aus Uganda nehmen neue Impulse aus dem Landkreis Gießen mit in ihre Heimat

Frühe Schwangerschaften, kein Schulabschluss und wenig familiärer Rückhalt – die Situation junger Mütter ist in Uganda besonders schwierig und hat sich seit dem coronabedingten Lockdown 2020 durch einen starken Anstieg der Schwangerschaften bei Mädchen noch einmal verschärft. In Mubende, der Partnerstadt des Landkreises Gießen, ist man entschlossen, sich der Problematik anzunehmen und für Unterstützung zu sorgen – mit Ideen und Impulsen, die auch aus Mittelhessen kommen.

„Wir wollen dabei helfen, jungen Frauen in Mubende ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, deshalb haben wir das Projekt ,Starke Mädchen, starke Frauen‘ auf den Weg gebracht. Unsere Partnerschaft hatte ihren Fokus zunächst auf Klimaschutzthemen, doch auch im Sozial- und Bildungsbereich stoßen wir auf großes Interesse unserer Partnerstadt“, sagt Landrätin Anita Schneider.

Denn: Der Wille, etwas an der Situation junger Mütter zu ändern, ist groß. Dafür hat die Stadtverwaltung vor kurzem mit Unterstützung des Landkreises Gießen Proscovia Nabakka als Fachkraft eingestellt, die gemeinsam mit Sylivia Mukasa, der stellvertretenden Bürgermeisterin von Mubende, zu Gast im Landkreis Gießen war.

Einblicke als erster Schritt, niedrigschwellige Angebote zu schaffen

Welche Strukturen, Angebote und Netzwerke gibt es in Mittelhessen und wie lassen sich diese zumindest ansatzweise auf Mubende übertragen? Um das herauszufinden, haben sich die beiden Vertreterinnen mit Ronja Grimmer, Koordinatorin für kommunale Entwicklungspolitik beim Landkreis Gießen, sowie Isabel Fuchs und Stephanie Stein vom Team Kindertagesbetreuung beim Verein „Eltern helfen Eltern“ in Gießen getroffen.

„Eltern helfen Eltern“ richtet sich mit Angeboten wie „Hallo Welt“ an Familien in Stadt und Landkreis Gießen, die ein Baby bekommen haben: „Wir schenken frisch gebackenen Eltern Zeit und ein offenes Ohr und möchten unsere Lebenserfahrung weitergeben. Eine derartige Unterstützung ist vor allem für Mütter wichtig, die besonders früh Nachwuchs bekommen haben“, schilderte Geschäftsführerin Brita Ratzel.

Auch das Familienhebammenprogramm „Runde Sache“ unterstütze Eltern, in ihre Rolle hineinzufinden und die Bedürfnisse des Babys zu verstehen. Eltern könnten sich aber auch bei anderen Problemen wie finanziellen Nöten oder einer schwierigen Wohnsituation an das Team wenden.

Der Fachdienst Kinder- und Jugendhilfe des Landkreises Gießen arbeitet eng mit seinen Kooperationspartnern, zu denen auch „Eltern helfen Eltern“ zählt, zusammen: „Gemeinsam können wir Familien bestmöglich beraten und bei verschiedensten Fragen mögliche Wege aufzeigen“, erläuterte Isabel Fuchs. Der Fachdienst werde beispielsweise aber auch dann aktiv, wenn Eltern die vorgeschriebenen Gesundheitsuntersuchungen für ihre Kinder nicht einhalten – eine Aufgabe, die bei Sylivia Mukasa und Proscovia Nabakka auf großes Interesse stieß.

Mehr als die Hälfte der Schwangeren, die in Mubende einen Arzt besuchen, sind unter 25 Jahre alt – die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Der Einblick, den die beiden Vertreterinnen aus Mubende in Gießen bekommen haben, soll ein erster wichtiger Schritt sein, niedrigschwellige Angebote zu schaffen und langfristige Verbesserungen für junge Mütter herbeizuführen.

Darüber hinaus wird auch die Prävention Teil der Arbeit von Proscovia Nabakka sein, die zunächst für zwei Jahre über den Fachkräftefonds der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) finanziert wird. „Wir haben uns bewusst dafür entschieden, die Stelle mit einer Frau aus Uganda zu besetzen, um ein enges Netzwerk und bestmögliches Vertrauen aufbauen zu können“, sagt Ronja Grimmer, „und wir sind überzeugt, dass wir neue Strukturen schaffen können, die jungen Müttern zu einer besseren Lebenssituation verhelfen.“

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