Von der Sprache zur Verständigung
Forum Vielfalt rückt Sprache als Schlüssel zur gesellschaftlichen Teilhabe in den Mittelpunkt
Sprache verbindet. Sie schafft Verständnis, eröffnet Perspektiven und ist Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe. Unter dem Titel „Von der Sprache zur Verständigung – Lernen, Begegnen und Teilhaben in einer vernetzten Welt“ stand der Themen-Nachmittag des Forums Vielfalt 2026 in der Schiffenberger Talstation ganz im Zeichen dieser zentralen Frage. Ausgerichtet wurde die Veranstaltung vom WIR Vielfaltszentrum, der Volkshochschule des Landkreises Gießen und dem Fachdienst Vielfalt, Teilhabe und Antidiskriminierung der Kreisverwaltung.
Das Forum Vielfalt ist eine vom Kreistag beschlossene Plattform für Austausch, Vernetzung und praxisnahe Lösungsentwicklung rund um Sprache, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ziel ist es, Akteur:innen aus Bildung, Verwaltung, Ehrenamt, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zusammenzubringen, um Impulse zu setzen und konkrete Unterstützungsangebote für eine vielfältige Gesellschaft zu entwickeln.
Allein im Landkreis Gießen leben Menschen aus mehr als 130 Nationen – die größten Gruppen stammen aus der Ukraine, der Türkei, Syrien und Rumänien. Mehrsprachigkeit ist damit längst Alltag. „Sprache ist viel mehr als ein Kommunikationsmittel – sie ist der Schlüssel zur Integration und zur aktiven Teilhabe in unserer Gesellschaft“, betonte Landrätin Anita Schneider in ihrem Grußwort. „Wer sich verständigen kann, hat bessere Chancen auf Bildung, Arbeit und Engagement.“
Gleichzeitig wies sie auf die geplanten Mittelkürzungen des Bundes im Bereich Sprachförderung hin. „Das sind dramatische Einschnitte. Wir riskieren, mühsam aufgebaute Strukturen zu schwächen. Sprachförderung ist keine freiwillige Zusatzleistung, sondern eine Investition in den gesellschaftlichen Zusammenhalt.“ Künftig sollen Integrationskurse nur noch Personen offenstehen, die durch das Aufenthaltsgesetz dazu verpflichtet sind und dauerhaft in Deutschland bleiben.
Durch den Nachmittag führte der Hörbuchsprecher, Musiker und Philosoph Sven Görtz. Drei Impulsvorträge aus Wissenschaft und Praxis gaben im ersten Themenblock Einblicke in aktuelle Entwicklungen. Dr. Johanna Lea Korell vom Zentrum für fremdsprachliche und berufsorientiere Kompetenzen (ZfbK) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) sprach über den Einsatz von KI beim Lehren und Lernen fremder Sprachen sowie über innovative Ansätze in der Lehrkräftebildung. Lukas und Jürgen Köhlinger vom Fachbereich Wirtschaft der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) stellten die Roboter-Büste Furhat vor, die KI und digitales Sprachenlernen miteinander verbindet. Schließlich gab Thekla Richter, Leiterin des Deutschcafés beim Verein Asyl in Lich e. V., Einblicke in die praktische Sprachförderung und berichtete aus dem Alltag der ehrenamtlichen Sprachvermittlung.
Im Anschluss konnten die rund 40 Teilnehmenden in einer interaktiven Runde vier Stationen kennenlernen und selbst ausprobieren: Teresa Gimbel und Matthias Kücükkaplan stellten die Integreat-App und das Laiendolmetschenden-Programm vor, Lukas und Jürgen Köhlinger führten ein Vokabeltraining mit dem Furhat vor, Robert Zammit und Marketa Roska gaben Einblick in die Sprachpsychodramaturgie PDL und Dr. Iris Korte-Klimach, Donata Nowak-Marszalek sowie Lisa-Marie Finke gaben einen Überblick über die Vielfalt und Funktionsweisen diverser Sprachlern-Apps. Die fachkundige Begleitung ermöglichte es, unterschiedliche Ansätze direkt zu testen und miteinander ins Gespräch zu kommen.
Neben den fachlichen Impulsen bot das Forum Raum für Begegnung und Vernetzung. Zwischen den Programmpunkten nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich am Buffet auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Zum Abschluss wurden die Eindrücke des Nachmittags gemeinsam reflektiert. Deutlich wurde: Sprache ist nicht nur Voraussetzung für Integration – sie ist auch Brücke zwischen Menschen. Das Forum Vielfalt 2026 hat gezeigt, wie analoge und digitale Ansätze zusammenwirken können, um Lernen, Begegnen und Teilhabe in einer vielfältigen Gesellschaft zu stärken.

