Impulse aus dem Landkreis Gießen für das World Urban Forum der Vereinten Nationen
Teilnahme an der globalen Konferenz für nachhaltige Stadtentwicklung in Aserbaidschan stellvertretend für die kommunale Ebene
Beispiele für nachhaltige Stadtentwicklung weltweit aufzeigen und Akteure zusammenbringen, dies ist Ziel des World Urban Forums (WUF) der Vereinten Nationen. Dabei fließen auch Impulse der kommunalen Ebene ein. Der Landkreis Gießen nahm nun als einziger Landkreis aus Deutschland an der Konferenz in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku teil. Er wurde stellvertretend vom Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung eingeladen, um gemeinsam mit den Städten Berlin, Bonn, Dortmund, Bergisch Gladbach und Calbe (Sachsen-Anhalt) lokale Impulse einzubringen.
Wie können Städte auf Bevölkerungswachstum reagieren? Wie bleibt Wohnraum bezahlbar? Wie können Städte sich auf die Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten? Wie kann Armut vermieden werden? Rund um diese und weitere Fragen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter von Regierungen, aus Wissenschaft, Wirtschaft, Organisationen und Zivilgesellschaft aus vielen Ländern der Welt.
„Kommunen kommt gerade im ländlichen Raum eine Schlüsselrolle bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum zu“, erklärte Landrätin Anita Schneider. „Dabei ist die Versorgung mit passendem Wohnraum ein wichtiger Teil der Daseinsvorsorge.“ Zugleich sei dies von gesellschaftlicher Bedeutung – zum Beispiel für Inklusion, Teilhabe und Chancengleichheit aller Menschen. Auch der Aufbau zukunftsfähiger Infrastruktur gehöre zu den Gestaltungsmöglichkeiten der Kommunen. „Bei der Suche nach guten Lösungen ist ein internationaler Austausch von großer Bedeutung“, sagte Schneider.
Lokale Partnerschaften setzen globale Ziele um
In verschiedenen Diskussionsrunden während des Forums wurden lokale Beispiele sichtbar gemacht und diskutiert. Für den Landkreis Gießen war dabei auch die SWS (Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung) GmbH eingebunden. Die Gesellschaft ist ein interkommunaler Zusammenschluss von 17 Städten und Gemeinden sowie dem Landkreis selbst. Seit rund zehn Jahren unterstützt sie Bauträger und Genossenschaften bei der Schaffung von bezahlbaren Wohnungen. Sie begleitet Kommunen bei der Entwicklung von zukunftsfähigen Wohn- und Quartierskonzepten. Bisher sind rund 200 bezahlbare Wohneinheiten auf diesem Weg entstanden. Negar Jahadi, Geschäftsführerin der SWS, nahm gemeinsam mit Landrätin Schneider am Forum teil.

Der Austausch auf internationaler Ebene diente auch dazu, Beispiele kommunaler Entwicklungspartnerschaften zu zeigen. Viele deutsche Landkreise und Städte setzen international die weltweiten Nachhaltigkeitsziele in konkreten lokalen Lösungen um. Der Landkreis Gießen unterhält seit 2020 eine Klima-Partnerschaft mit Mubende in Uganda. Dabei entstanden Projekte wie der Aufbau einer solarbetriebenen Straßenbeleuchtung und einer Bioabfallvergärungsanlage. Seit 2023 besteht eine Solidaritätspartnerschaft mit dem Rajon Tschernihiw in der Ukraine. Dabei geht es vor allem um Unterstützung in der Daseinsvorsorge und im Alltag in dem stark vom russischen Angriffskrieg betroffenen Gebiet. Im Rahmen der Partnerschaften können über kurze Wege Projekte und Erfahrungsaustausch rasch umgesetzt werden. Dabei entstehen auch neue Kontakte für zum Beispiel Schulen, Hochschulen und Unternehmen.
Das World Urban Forum der Vereinten Nationen gilt als die wichtigste globale Konferenz für nachhaltige Stadtentwicklung. Die einwöchige Veranstaltung findet alle zwei Jahre an unterschiedlichen Orten der Welt statt.

