Themenüberblick
Sie befinden sich hier: Home / Aktuelles / News

Kreis engagiert sich für Streuobstwiesen

3 Stellen Bürgerarbeit bewilligt – Abteilung „Naturschutz“ arbeitet mit Zaug teamorientiert zusammen


Die Aktion „Bürgerarbeit“ geht mit dem Landkreis im Bereich Natur- und Umweltschutz an den Start! Eine Bewilligung für drei Bürgerarbeiterinnen beziehungsweise Bürgerarbeiter liegt mittlerweile vor. Dadurch wird nach Angaben von Landrätin Anita Schneider, die sich für dieses Projekt von Anbeginn an stark gemacht hat, die aktuelle und inhaltlich richtungsweisende Bestandsaufnahme und Kartierung der Streuobstwiesen im Landkreis Gießen ermöglicht. Landrätin Schneider freut sich über die schnelle Bewilligung für ein Projekt, das mit dem Verein „Hessische Apfelwein- und Obstwiesenroute im Landkreis Gießen“ und der kreiseigenen Abteilung „Fachdienst Naturschutz“ beraten und vorbereitet wurde und schon länger auf eine konkrete Umsetzung wartet. Aufgrund seiner zentralen Lage in Hessen hat das Projekt Pilotcharakter. Das Arbeitsergebnis dient der Allgemeinheit.

 

Es ist nicht verwunderlich, dass Vogelschutzgruppen, besonders der Deutsche Bund für Vogelschutz (DBV), aus dem später der Naturschutzbund (Nabu) hervorging, eine ihrer Hauptaufgaben im Schutz der Streuobstwiesen sahen. Sie machten zu Beginn der 1980er Jahre bereits erste Erhebungen zu Streuobstbeständen. Diese waren naturgemäß lückenhaft.

 

Damals wurden 1056 Obstwiesen mit 136.850 Hochstamm-Obstbäumen gezählt. Bei der Kartierung zeigte sich, dass 56 Prozent aller kartierten Bäume älter als 30 Jahre waren und die meisten Streuobstwiesen nur mäßig gepflegt waren. Der Nabu-Kreisverband Gießen aktualisierte vor etwa zehn Jahren diese Streuobstaufnahme, aber eine aktuelle parzellenscharfe Kartierung, die alle Obstbäume außerhalb der Siedlungsgebiete aufzeigt, ist deshalb überaus wünschenswert.

 

Genaue Aussagen über den Baumbestand und sein Alter versetzen die beteiligten Organisationen dann in die Lage Maßnahmen zu ergreifen, die Bestände zu verjüngen und zu erhalten. Durch die Altkartierungen hat man durch vergleichende Betrachtungen die Möglichkeit zu sehen, wo Streuobstbestände verschwunden sind und mögliche Ursachen für das Verschwinden auszumachen.

 

Ziel ist es, dass die naturschutzfachlich und kulturhistorisch bedeutsamen Streuobstgürtel und die Ortslagen auch zukünftig das Landschaftsbild im Landkreis Gießen bereichern.

 

Streuobstwiesen sind von hoher naturschutzfachlicher Bedeutung. Sie bieten vielen Tierarten Lebensraum. Die Vielfalt ist durch Bäume von unterschiedlicher Größe und Alter, durch das extensiv genutzte Grünland unter den Bäumen sowie oft durch zusätzliche Strukturen bestimmt, beispielsweise Gebüsche, abgelagerte Schnittholzhaufen, krautige Säume oder Lesesteinhaufen. In Streuobstwiesen leben viele Insekten (Hautflügler, Schmetterlinge, Käfer, Wanzen), Spinnen, Amphibien, Reptilien und Fledermäuse.

 

Eine sehr hohe Bedeutung haben Streuobstwiesen für die Vogelwelt. Sie sind Lebensräume für zum Teil seltene Vogelarten, wie den Wendehals, den Steinkauz, den Neuntöter, den Raubwürger sowie den Gartenrotschwanz und den Grünspecht, die von dem Angebot an Höhlen in alten Bäumen profitieren.

 

Dazu Landrätin Schneider: „Bereits zu meinem Amtsantritt wurde mir das Projekt vorgetragen und ich wurde überzeugt, dass es wichtig ist, eine Bestandsaufnahme und Kartierung der Streuobstwiesen im Landkreis vorzunehmen.“

 

Weitere Gründe für ein Engagement in Sachen „Streuobstwiesen-Bestand“ sind die hohe Wertigkeit für den Naturschutz, den Tourismus und die Naherholung. Die Landschaftspflegevereinigung im Landkreis kann aus Mitarbeitermangel eine erneute Bestandaufnahme, um eventuelle kreis- und landesweit Schutzmaßnahmen einzuleiten, nicht vornehmen.

 

Umso wichtiger und erfreulicher ist es deshalb, dass dieses Vorhaben nun über das neue Instrument „Bürgerarbeit“ mit der notwendigen personellen Verstärkung umgesetzt werden kann.

 

Durch Bewilligung weitere Ziele verwirklichen
Es gibt für Menschen, die auf SGB II angewiesen sind, die Möglichkeit – zwar befristet, aber versicherungspflichtig – zu arbeiten und für die Gemeinschaft sinnvolle Arbeiten zu erledigen, die ohne dieses neue Instrument „Bürgerarbeit“ nicht erledigt werden könnten. Das neue Instrument „Bürgerarbeit“ ist eine alternative Beschäftigungsmöglichkeit zu den bisher praktizierten Arbeitsgelegenheiten, den sogenannten Ein-Euro-Jobs.

 

Der Landkreis kann im Rahmen des Naturschutzes und des nachhaltigen Wirtschaftens sich nicht nur einen Überblick der Bestände verschaffen, sondern auch Maßnahmen zur Pflege, zum Schutz und gegebenenfalls Nachanbauten von Obstbäumen planen beziehungsweise initiieren.

 

Der weiteren Bedrohung der Streuobstwiesen im Landkreis wird damit ferner ein Riegel vorgeschoben.

 

Das Zentrum für Arbeit und Umwelt Gießen (Zaug) übernimmt in Kooperation mit dem Jobcenter Gießen die gesetzlich vorgegebenen Rahmenbedingungen und ist Anstellungsträger. Der Bewilligungszeitraum ist vom 1. Juli 2011 bis zum 30. Juni 2014. Die Kostenübernahme für die Lohnkosten von 116.640 EUR ist gesichert.