Themenüberblick
Sie befinden sich hier: Home / Aktuelles / News

Kreis will ärztliche Versorgung auf dem Land erhalten

Dirk Osswald

 

Gesundheitsdezernent Oßwald schreibt Bundesminister und –abgeordnete an: Zulassung medizinischer Versorgungszentren jetzt nicht erschweren!

 

Gießen (-). „Der Landkreis wird sich künftig verstärkt dafür  einsetzen, dass sich die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum nicht weiter verschlechtert, sondern durch kreative Modelle wie Medizinischer Versorgungszentren oder Filialarzthäuser stabilisiert und verbessert“, macht Dirk Oßwald, Erster Kreisbeigeordneter und seit kurzem neuer Gesundheitsdezernent des Kreises, in einer Pressemitteilung deutlich. Ganz aktuell hat er sich an die Bundesregierung, die heimischen Bundestagsabgeordneten und den Deutschen Landkreistag gewendet, um befürchtete Nachteile im geplanten Versorgungsgesetz des Bundes zu verhindern, mit dem Berlin eigentlich die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum verbessern wollte.

 

Konkret geht es Oßwald um einen Teilaspekt des Gesetzentwurfes, der derzeit als Referentenentwurf der Bundesregierung dem Bundestag zur Beratung vorliegt, nämlich der Gründung von Medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Diese gibt es seit 2004 und sie dienen der ambulanten medizinischen Versorgung. Ähnlich wie in den früheren Polikliniken der DDR können dort beliebig viele zugelassene Ärzte im Angestelltenverhältnis arbeiten, was in den herkömmlichen Arztpraxen nur sehr eingeschränkt erlaubt ist. MVZs müssen fachübergreifend sein, das heißt, dass Fachärzte unterschiedlicher Richtungen oder psychologische Psychotherapeuten beschäftigt werden müssen und das MVZ unter ärztlicher Leitung stehen muss. „Ein innovatives Modell, dass es inzwischen bundesweit über 1600 mal gibt und dass in vielen Regionen zur Sicherung der ärztlichen Versorgung beiträgt", findet Oßwald.

 

Deren Gründungsmöglichkeit will der Bund nun in dem neuen Gesetz einschränken. Während bisher alle im  Gesundheitswesen zugelassenen Leistungserbringer ein MVZ gründen und Ärzte wie andere medizinische Dienstleister anstellen konnten, soll die Gründung künftig nur noch Ärzten, Krankenhäusern und gemeinnützigen Organisationen vorbehalten sein, also nicht mehr anderen zugelassenen Leistungserbringern wie Apotheken oder Physio- wie Psychotherapeuten.

 

„Das wäre ein Rückschritt und würde eine wichtige Gruppe potentieller Gründer und Betreiber von MVZ gerade im ländlichen Raum ausschließen. Denn dort, wo Krankenhaus-Konzerne kein wirtschaftliches Interesse haben und sich keine Ärzte finden, die Risiko und Kapital aufnehmen wollen, können Apotheker oder Therapeuten diese Rolle übernehmen, etwa um ihre Apotheke oder ihre Praxis dauerhaft in der Existenz zu sichern“, macht Oßwald deutlich.

 

In einem dreiseitigen Schreiben an Bundesgesundheitsminister Bahr und die Bundestagsabgeordneten DR. Braun (CDU), Rüdiger Veit (SPD), Dr. Hermann-Otto Solms (FDP), Tom Königs (Grüne) und Wolfgang Gehrcke (Linke) sowie den Deutschen Landkreistag appelliert er, diese Einschränkung im Gesetzgebungsverfahren zurück zu nehmen, um die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum nicht noch weiter zu schwächen.

 

„Wenn das Modell der MVZ laut Gesetzentwurf grundsätzlich ausgebaut und verstärkt zur Sicherstellung der ärztlichen Versorgung auf dem Land eingesetzt werden soll, was ausdrücklich zu begrüßen ist, ist eine derartige Einschränkung des Kreises der Gründer absolut kontraproduktiv. Das Gesetz würde damit in seiner Zielsetzung genau umgekehrt, denn es würde gegenüber heute die Voraussetzungen zur Gründung von MVZ nachhaltig verschlechtern“, heißt es wörtlich in den Briefen.

 

Er hoffe, so Oßwald, dass der Bund gerade solche Modelle wie MVZ nicht einschränke, sondern vielmehr stärke und fördere. In struktur- und einwohnerschwachen Gebieten fänden heute bereits eigenständige Haus- oder Fachärzte keine Nachfolger mehr, stünden  Kassenarztsitze ergebnislos zum Verkauf und wanderten schließlich in Ballungsgebiete ab. „Auf der Strecke bleiben die verbleibenden Ärzte, die unter schlechteren Bedingungen noch mehr Patienten versorgen sollten, und die Patienten selbst, die lange Warte- oder Fahrzeiten in Kauf nehmen müssen. Nur mit innovativen Versorgungsmodellen können wir die ärztliche Versorgung auf dem Land erhalten. Deshalb dürfe es gerade jetzt keine Einschränkungen bei der Liste der potentiellen Gründer solcher Zentren geben, heißt es abschließend.