„Mein Kind – (k)ein Nazi!?“ |
Kreis und Stadt arbeiten weiter gemeinsam gegen Rechts – Neue Elternbroschüre vorgestellt – Einmaliges Projekt in Hessen
Seit kurzem ist ein weiterer Baustein in der Präventionsarbeit gegen rechtes Gedankengut verfügbar: Eine neue Informationsbroschüre zum Thema „Rechtsextremismus“ informiert und berät gezielt Eltern im Umgang mit dieser schwierigen Thematik. Ergebnis der Zusammenarbeit des Gießener Jugendschutzes und des Jugendbildungswerkes mit dem Jugendbildungswerk des Landkreises Gießen war die Herausgabe des hessenweit ersten Informationsheftes dieser Art. Gemeinsam mit der Gießener Bürgermeisterin Gerda Weigel-Greilich stellte Stefan Becker, Erster Kreisbeigeordnete des Landkreis Gießen, das Projekt in dieser Woche (25-09-2007) der Öffentlichkeit vor.
Die Broschüre steht unter dem Motto „Mein Kind – (k)ein Nazi!? – Tipps für mehr Mut, Verständnis und Vertrauen“ und richtet sich gezielt an Eltern, Angehörige und Freunde von Jugendlichen, die sich über die rechte Szene informieren wollen. „Das Wichtigste ist die Sensibilisierung der Eltern. Sie müssen die Möglichkeit haben, die Anzeichen von Rechtsextremismus zu erkennen, um eine mögliche Problematik des Kindes überhaupt wahrnehmen zu können. Die Stärkung der Eltern ist die beste Prävention“, bringt es Egon Wielsch, Jugendschutzbeauftragter und Leiter der Abteilung Kinder- und Jugendförderung der Stadt Gießen auf den Punkt.
„Woher sollen die Eltern die Bedeutung von Kleidung, Musikgeschmack und Symbolen der Szene auch kennen?“, gibt Patrick J. Amend vom Kreis-Jugendbildungswerk zu bedenken. Genau hier setzt die kommunale Arbeitsgruppe an. Sie will informieren und Hilfestellungen bieten. Auf 17 Seiten erfährt die Leserschaft neben einem Erfahrungsbericht einer betroffenen Mutter Wissenswertes über die rechte Szene. Wie wichtig und nützlich dieses Wissen ist, zeigt ein Beispiel aus dem Bereich der „Szene-Codes“: Die Zahl 18 steht in rechtsextremen Kreisen für die Buchstaben „AH“ und die wiederum dienen als Abkürzung für „Adolf Hitler“. Amend legte weiter dar, dass viele Eltern verunsichert seien, wenn sie bestimmte Anzeichen und Verhaltensweisen bei ihren Kindern erkennen, die sie nicht oder nur unzureichend deuten könnten. Häufig fühlten die Eltern sich mit dieser Situation überfordert und scheuten den frühzeitigen Weg zur professionellen Jugendberatung. „Mindestens so bedeutend wie das Erkennen von Symbolen, Codes, Kleidungsstücken und Musikgruppen ist aber auch die Frage, was Jugendliche brauchen. „Jugendliche brauchen Halt und Anerkennung, gerade in schwierigen Phasen wie der Pubertät“, informiert Amend abschließend. Christian Wustrau vom Stadt-Jugendbildungswerk der Stadt Gießen ergänzt: „Wir wollen präventiv agieren und den rechten Verführern den Wind aus den Segeln nehmen. Wir zeigen, wie man rechte Tendenzen erkennen kann, was Eltern tun können und welche Ansprechpartner für Fragen und Hilfe zur Verfügung stehen“. Wustrau weiter: „Wir tun sehr viel für die Jugendlichen direkt. Wir führen zum Beispiel Präventionsveranstaltungen mit sozial benachteiligten Jugendlichen durch und gehen in die Brennpunkte. Doch mit unserer Informationsbroschüre treten wir erstmals direkt an die Eltern heran. Diese Broschüre ist leicht verständlich, übersichtlich aufgebaut und somit für die Zielgruppe äußerst wertvoll.“
Für den Ersten Kreisbeigeordneten Becker stellt die Arbeit der Projektgruppe „ein deutliches Signal“ für die Eltern und gegen die rechte Szene dar. „Stadt und der Kreis Gießen werden nicht zulassen, dass sich rechtsextremes Handeln und Denken in unserer Region breit machen können. Deshalb haben wir beschlossen, konsequent präventiv zu handeln und nicht erst, wenn es schon zu spät ist.“ Bürgermeisterin Weigel-Greilich sieht das Projekt als Garant für die Kontinuität in der Präventionsarbeit. Nicht zu letzt die gute Infrastruktur im Jugendbereich sorge für wenig rechtes Auftreten in der Region. Man sei sich der Problematik, die durch das Auftreten von rechtsextremen Jugendlichen entstehen könne, bewusst und zeige, dass man „bereit ist, neue Wege zu gehen und alles unternimmt, um die Jugendlichen zu schützen und den Eltern zu helfen“.
Um möglichst umfassend Hilfe und Information liefern zu können, ist die Broschüre interaktiv gestaltet worden. Innerhalb der Publikation wird dem Leser angeboten, mittels nummerierter Verweise weitere Hintergründe zu den einzelnen Themen zu erfahren. Diese können über die Webseite „www.jugendschutz-giessen.de/elterninformation“ nachgeschlagen werden. Dort kann man auch die gesamte Broschüre als Datei herunterladen oder kostenlos bestellen.
Die Elterninformation ist kostenlos erhältlich und wird in einer ersten Auflage von 3.000 Stück über Beratungsstellen, öffentliche Einrichtungen und den örtlichen Einzelhandel verteilt.
Beratung und Informationen für interessierte Eltern bieten
- das Jugendbildungswerk des Landkreises Gießen
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