Praxisdichte im Süd- und Ostkreis gering – Landkreis ist jedoch (noch) nicht unterversorgt
Bildunterschrift: (v.l.)Teamleiter Neue Versorgungsformen Matthias Brittner, Teamleiter Beratungscenter Gießen Ernst-Rudolf Schmidt, Fachbereichsleiterin Gesundheit, Verbraucherschutz und Veterinärwesen Dr. Barbara Breitbach, Erster Kreisbeigeordneter Dirk Oßwald und Gesundheitskoordinator Iskender Isikci
Antrittsbesuch von Gesundheitsdezernent Oßwald bei Kassenärztlicher Vereinigung im Bachweg 1 – „Hausärztliche Versorgung auf dem Land wird das Zukunftsthema“
169 Hausärzte gibt es derzeit im Landkreis inklusive der Stadt Gießen, 119 von ihnen werden ihre Praxis bis 2025 aus Altersgründen aufgegeben haben. Für zahlreiche von ihnen ist ungewiss, ob sie einen Nachfolger finden. Dies erfuhr der Erste Kreisbeigeordnete Dirk Oßwald (Freie Wähler) kürzlich bei seinem Antrittsbesuch als neuer Gesundheitsdezernent bei der Kassenärztlichen Vereinigung (KV).
Matthias Brittner, Teamleiter Neue Versorgungsformen der KV Hessen und Ernst-Rudolf Schmidt vom Team des Beratungscenters in Gießen begrüßten Oßwald sowie Dr. Barbara Breitbach und Iskender Isikci vom Gesundheitsamt in den dem Landkreis nicht unbekannten Räumen im Bachweg 1 (die KV ist hier seit kurzem Mieter im kreiseigenen Gebäude).
Brittner erläuterte die aktuellen Schwierigkeiten der hausärztlichen Versorgung und stellte strukturelle Probleme wie die Landflucht der Hausärzte und die Feminisierung des Arztberufes dar, die die hausärztliche Versorgung auf dem Lande zukünftig gefährden könnten. So sei zum Beispiel eine deutliche Abwanderung von jungen Ärzten vom Lande in die Städte erkennbar, da der Arztsitz und der Ort für die Ärzte frei wählbar seien. Zudem studieren immer mehr Frauen Medizin, die sich eine Zukunft als Hausärztin auf dem Lande in freiberuflicher Situation jedoch nur schwer vorstellen könnten.
Bis 2025 werden es alleine im Landkreis Gießen 119 Ärzte sein, die ihre Praxis mit 65 Jahren abgeben. Hilfestellungen bei Praxisübergaben oder bei der Suche von Nachfolgern gibt die KV gerne. „Dennoch müssen die Strukturen vor Ort stimmen und es kann nicht sein, dass das Projekt bereits vollumfänglich geplant ist und dann die KV gebeten wird, die Ärzte für die Projekte zu gewinnen“, betont Brittner.
Die Kommunikation zwischen allen Beteiligten wie Krankenkassen, Kommunen, Ärzten und KV müsse koordiniert werden. In dieser Funktion sieht Oßwald den Landkreis und die Kommunen – sprich: die Kommunalpolitik vor Ort. „Es ist nicht zielführend, wenn jeder nur alleine in seinem Bereich nach Lösungen sucht. Nur wir alle gemeinsam können ein gesamtheitliches Konzept für die ärztliche Versorgung aufstellen und es zukunftssicher gestalten“, erklärt Oßwald.
Ein weiterer Aspekt für eine gute ärztliche Versorgung auf dem Lande seien die Regelungen des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes, die Vertretung der Hausärzte untereinander. „Dies funktioniert im Landkreis Gießen größtenteils sehr gut“, so Schmidt. Für viele Ärzte sei eine gute Regelung ein Hauptkriterium für die Wahl des Arztsitzes. „Ist kein guter Bereitschaftsdienst vorhanden, spricht dies häufig gegen eine Ansiedlung der eigene Praxis auf dem Lande“, bestätigt Dr. Breitbach, die selbst einmal im ärztlichen Bereitschaftsdienst mitgearbeitet hat.
Allen Beteiligten ist die Bedeutung einer flächendeckenden ärztlichen Versorgung bewusst, deshalb will man auch gemeinsam Maßnahmen ergreifen, um auch zukünftig die ärztliche Versorgung auf dem Lande sicherstellen zu können. Eine zentrale Aufgabe sieht Oßwald dabei beim Landkreis selbst. „Wir wollen kurzfristig alle Beteiligten an einen Tisch holen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Nur so können wir uns zukunftssicher aufstellen.“
Eins sei jedoch sicher, zukünftig wird es vermehrt neue Modelle wie mobile Ärzte, Zweigstellen auf dem Lande oder Bereitschaftsdienstzentralen geben. Wo der Arzt nicht zu dem Patienten kommen kann, muss der Patient reisen. Auch hierfür gibt es bereits Beispiele wie Fahrdienste für ländliche Ortschaften oder Ärzte, die einzelne Sprechstunde in verschiedenen Praxen anbieten.








