Lebenshilfe soll strategischer Partner bei ZAUG werden |
|
Gießen (-). Die Lebenshilfe Gießen e.V. soll zum 1. Januar 2008 beim bisher rein kommunalen Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger „Zentrum für Arbeit und Umwelt Gießen“ (ZAUG) einsteigen und als Mehrheitsgesellschafter dort die unternehmerische Führung übernehmen. Der Landkreis Gießen, bisher mit rund 51 Prozent in der Mehrheit, soll ebenso an der gemeinnützigen Gesellschaft beteiligt bleiben wie die Stadt Gießen (derzeit 16 Prozent) und die 17 Städte und Gemeinden (derzeit 1-3 Prozent). Über die Pläne informierten Stefan Becker, Erster Kreisbeigeordneter und Sozialdezernent, und Gießens Oberbürgermeister Heinz-Peter Haumann am Montag abend die Öffentlichkeit im Rahmen eines Pressegespräches im Sporthotel Grünberg.
„Von der strategischen Partnerschaft der beiden großen Sozialunternehmen der Region versprechen wir uns eine Stärkung in sozialer wie wirtschaftlicher Hinsicht“, erläuterten Haumann und Becker. Beide hatten als Vertreter der größten Anteilseigner zusammen mit der Geschäftsleitung der Lebenshilfe am Montag zunächst die Mitgesellschafter – die Bürgermeister der 17 Städte und Gemeinden – im Landratsamt über die Pläne informiert.
Gesellschaftsrechtlich umgesetzt werden soll der Einstieg der Lebenshilfe über eine Kapitalerhöhung der Gesellschaft. Die Anteile der anderen Eigentümer bleiben damit in der Höhe unverändert, deren prozentualer Anteil am Unternehmen reduziert sich aber zugunsten des neuen Partners. „Der Vorteil liegt darin, dass die bewährte Verbindung von Kommunen und Kreis zu ZAUG erhalten bleibt, wir uns aber mit der Lebenhilfe Gießen e.V. einen starken, erfahrenen, etablierten und allseits anerkannten Träger für die Unternehmensführung an Bord holen“, machte Becker deutlich und ergänzte: „Die Politik tritt einen Schritt zurück, ohne sich der Verantwortung zu entziehen.“
Im Gespräch mit den Bürgermeistern wie auch am Montag abend gegenüber den Medien stellten die Vertreter von Kreis und Stadt Gießen wie der Lebenshilfe, Vorstand Magnus Schneider und die Vorsitzende des Aufsichtsrates, Maren Müller-Erichsen, die Vorteile dieser Lösung für alle Beteiligten heraus. Für die Teilnehmer von Maßnahmen bei ZAUG, überwiegend Empfänger von Leistungen nach SGB II (Hartz-IV), bedeutet die Partnerschaft mit der Lebenshilfe künftig eine Erweiterung der Angebote, werde man doch auch die Werkstätten der Lebenshilfe für deren Qualifizierung nutzen können. Umgekehrt können ZAUG-Betriebe wie der bisher hoch-defizitäre Bioland-Bauernhof in Großen-Buseck oder die Blutegelzucht in Biebertal künftig zusätzlich auch zur Qualifizierung von Teilnehmern der Lebenshilfe genutzt werden. „Das bedeutet für beide Zielgruppen ein verbessertes Angebot und für die Einrichtungen eine stärkere Auslastung und dadurch eine betriebswirtschaftliche Optimierung“, machte Magnus Schneider deutlich.
Der Landkreis hatte ZAUG bis 2006 jährlich mit über 850.000 Euro Festzuschuss finanziert. In 2007 reduzierte der Kreistag den Betrag auf 650.000 Euro, ab 2008 gibt es keinen Festbetrag mehr, sondern nurmehr einen Ausgleich möglicher tätsachlicher Jahresfehlbeträge. Von der Kooperation der beiden großen Träger der beruflichen Qualifizierung und Beschäftigung in Mittelhessen verspricht sich der Kreis eine Reduzierung des Zuschussbedarfs auf null, so wie es der Kreistag den handelnden Personen im Dezember 2006 per Beschluss als Ziel vorgegeben hatte. „Wenn wir dieses Ziel bei gleichem oder sogar verbessertem Angebot für die Zielgruppen erreichen, lohnt sich die jetzt vorgestellte Umstrukturierung der Gesellschaft für alle Beteiligten“, machten Becker und Haumann abschließend deutlich. |
|||||||||








