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Personenstandsarchiv und Restaurierungswerkstatt boten außergewöhnliche Einblicke

Erklärung Online Findbuch 05.2013
Personenstandsregister LKGI 05.2013
Auszug Sterberegister 05.2013

Kommunalarchivarinnen und Kommunalarchivare besuchen interessante Stätten des Staatsarchivs Marburg


Landkreis Gießen/Neustadt. Das Personenstandsarchiv in Neustadt (Hessen) im östlichen Landkreis Marburg-Biedenkopf war Ziel und Hauptinteresse des jüngsten Treffens der Archivbetreuerinnen und Archivbetreuer der Kommunalarchive im Landkreis Gießen. Sabine Raßner, Leiterin des Kreisarchivs, hatte zu einer Arbeitstagung an diesen besonderen Ort eingeladen. „Dieses zentrale Personenstandsarchiv hat eine besondere Bedeutung, weil sich mit Inkrafttreten des neuen Personenstandsgesetzes am 1. Januar 2009  bedeutende Veränderungen für Archive und Forschung ergeben haben. Außerdem konnten wir im Anschluss noch eine Restaurierungswerkstatt besuchen“, erklärt die Archivarin und begründet damit den Ort der Arbeitstagung, an der neun Archiv-Verantwortliche aus den Kommunen teilgenommen haben.

 

Landrätin Anita Schneider begrüßt diese Treffen, weil dadurch der Kontakt zwischen den Archivbetreuern verbessert wird. „Die Archivbetreuerinnen und Betreuer in den Kommunen halten untereinander und auch zum Kreisarchiv engen Kontakt. Dass sich die Verantwortlichen der verschiedenen kommunalen Archive untereinander kennen und vernetzen, finde ich gut und hilfreich.“

 

Bereits seit 1874 („Gesetz über die Beurkundung des Personenstandes und die Form der Eheschließung“) halten Standesbeamte Geburten, Heiraten und Tod in Standesregistern fest. Die Sicherungsregister verbleiben bei den Standesamtsaufsichtsbehörden, also den jeweiligen Landkreisen. Die Archivierung der Erstregister regeln die Kommunen in eigener Zuständigkeit. Für die Archivierung der Zweitregister haben die hessischen Staatsarchive 2009 ein eigenes Personenstandsarchiv eingerichtet. Es ist am Staatsarchiv Marburg angesiedelt und in Neustadt untergebracht.

 

Vor Ort wurden die Kommunalarchivarinnen und -archivare aus dem Landkreis Gießen von Dr. Katrin Marx-Jaskulski durch das Archiv geleitet. Sie gab einen Überblick über die Aufgaben und Nutzungsmöglichkeiten des Personenstandsarchivs und erläuterte an anschaulichen Beispielen, wie sich die Register im Laufe der Jahrzehnte verändert haben: So musste zum Beispiel ab 1938 die genaue Todesursache in die Sterberegister eingetragen werden, ab 1958 entfiel diese Angabe wieder. Ab 1938 mussten Juden einen zusätzlichen weiteren Vornamen annehmen – „Israel“ bzw. „Sara“ – der dem Geburts- und Heiratsantrag beizuschreiben war. Diese Angaben wurden nach 1945 per Randvermerk wieder gelöscht.

 

„In Neustadt werden auch Geburten-, Heirats- und Sterberegister des Landkreises Gießen verwahrt“, erläutert Sabine Raßner, „nach bestimmten Fristen werden die bis dahin bei den Standesämtern und ihren Aufsichtsbehörden verwahrten Unterlagen zu Archivgut. Geburtenbücher beispielsweise sind nach 110 Jahre zu archivieren, Heiratsbücher nach 80 Jahren, Sterbebücher nach 30 Jahren.“ Der Landkreis Gießen war übrigens der erste Landkreis in Hessen, der die Bücher ins Zentralarchiv abgeben hat. Dies geschah etwa zeitgleich mit dem Umzug der Kreisverwaltung an den Riversplatz.

 

Sabine Raßner gibt Hobbyhistorikern einen wichtigen Hinweis: Das Personenstandsarchiv hat mittlerweile zahlreiche Bestände digitalisiert und online gestellt, so auch die Personenstandsregister des Kreises Gießen. So kann von bequem von zuhause aus in den Büchern geblättert, gestöbert und recherchiert werden. (www.hadis.hessen.de -> Staatsarchive -> Staatsarchiv Marburg -> Personenstandsarchiv).

 

Zum Abschluss der Tagung machten die Archivare noch einen Stopp in der Restaurierungswerkstatt des Staatsarchivs Marburg, die im selben Gebäude wie das Personenstandsarchiv untergebracht ist. Walter Trier, der langjährige Leiter der Restaurierungswerkstatt, und seine Mitarbeiterinnen zeigten Proben ihres Könnens. Sie stellten Archivalien vor, die gerade in der Werkstatt restauriert wurden. Umwelteinflüsse, Schädlinge und einfach die Zeit schädigen Unterlagen, so dass sie irgendwann restauriert werden müssen. In der Restaurierungswerkstatt werden fehlende Papierstellen ergänzt, Akten, Amtsbücher, Urkunden und Karten restauriert, zerstörte Siegel ergänzt oder verdreckte und verschimmelte Akten gereinigt. Hier wurden mittelalterliche Urkunden sach- und fachgerecht in eigens angefertigte säurefreie Kartons verpackt, um sie unter optimalen Bedingungen aufzubewahren und vor schädlichen Einflüssen zu schützen.