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   Schuldezernent Fricke informiert: Elternhilfe gegen Sektenangebote

Hessisches KuMi bietet virtuell Ratschläge

 

Für Kreis-Schuldezernent Siegfried Fricke ist eine aktuelle Presseverlautbarung aus dem Hessischen Kultusministerium (KuMi)in Wiesbaden die Ausgangsbasis, um die heimische Bevölkerung über Nachhilfeangebote von so genannten Sekten und Psychogruppen zu informieren. Kultusministerin Karin Wolff hat nach seinen Worten veranlasst, Informationen zu Nachhilfe-Angeboten so genannter Sekten und Psychogruppen im ministeriellen Internetauftritt („www.kultusministerium.hessen.de“) unter der Rubrik „Eltern, Unterverzeichnis Rat und Tat“ aufzunehmen. Dort heißt es: „Diese Gruppierungen wollen auf Ihre Kinder Einfluss nehmen; mit scheinbar harmlosen Nachhilfestunden werden ganz nebenbei die Mitglieder von morgen geworben. Sie als Eltern können dazu beitragen, Ihre Kinder vor solchen Gruppen zu schützen.“

 

Als Orientierungshilfe werden konkrete Punkte aufgelistet, mit deren Hilfe Eltern seriöse Nachhilfeanbieter identifizieren können:

 

Organisation und Umfeld
Was sagen andere Eltern über das betreffende Nachhilfeinstitut? Kennt die Schule Ihres Kindes den Anbieter, hat sie schon Erfahrungen mit diesem gemacht? Welchen Eindruck macht das Nachhilfeinstitut auf Sie selbst? Ist Ihnen alles verständlich, oder werden Begriffe verwendet, die Ihnen gänzlich unbekannt sind? Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis? Vergleichen Sie die Preise mit denen anderer Anbieter. Liegt der Preis für die Nachhilfestunde mindestens im Durchschnitt der Angebote anderer Nachhilfeinstitute? Gibt es für Probleme immer einen Ansprechpartner? Gibt es Klauseln im Vertrag, die Ihnen merkwürdig erscheinen oder deren Sinn Sie nicht verstehen? Gibt es Nebenabreden im Vertrag, die nichts mit den Lerninhalten zu tun haben? Antwortet man Ihnen bereitwillig auf Ihre Fragen? Sind die Kündigungsmodalitäten annehmbar und klar formuliert? Wie ist die Qualifikation der Lehrkräfte? Ist die Fortbildung der Lehrkräfte sichergestellt? Ist sichergestellt, dass die Lehrkräfte keiner Sekte angehören und nicht vorbestraft sind? Ist sichergestellt, dass ihr Handeln nicht von sachfremden religiösen oder weltanschaulichen Motiven geprägt ist? Kann die Qualifikation der Lehrkräfte für das Fach, welches für Ihr Kind in Frage kommt, belegt werden?

 

Unterricht
Was sind die Lerninhalte? Wie wird der Unterricht erteilt? Welche Fächer werden angeboten? Können Sie sich vor Beginn des Unterrichts ausführlich über die Lerninhalte informieren, etwa durch Informationsmaterial? Wird in der Gruppe unterrichtet oder einzeln? Wie ist die Gruppe zusammengesetzt, ist die Zuordnung sinnvoll (Alter, Fächer)? Ist die Gruppe etwa zu groß, um sinnvoll Lerninhalte zu vermitteln? Werden tatsächlich im schulischen Unterricht benutzte Bücher und Lehrmaterialien berücksichtigt oder verwendet? Wird auf die konkrete schulische Arbeit eingegangen? Werden Fragen der Ethik oder Weltanschauung im Nachhilfeunterricht erörtert (eventuell ein Hinweis darauf, dass nicht nur der Lerninhalt der Nachhilfe, sondern bestimmte weltanschauliche Sichtweisen vermittelt werden sollen)?

 

Methoden und Ziele
Werden unrealistische Ziele formuliert, etwa Erfolge garantiert? Welche Methoden des Lernens werden angewandt? Sind Ihnen diese Methoden bekannt oder handelt es sich um vermeintlich neuartige Lernmethoden, die den absoluten Erfolg versprechen? Werden die Methoden mit einer Ihnen unbekannten Weltanschauung erklärt? Werden Ihnen die Methoden konkret vorgestellt und erläutert oder macht man ein Geheimnis aus diesen? Was wird vermittelt? Auch Lerninhalte oder nur die Methode des Lernens (Lernstrategie)?

Das Kultusministerium empfiehlt ferner, Probestunden-Angebote von Nachhilfeinstituten nach Möglichkeit zu nutzen. Auch könnten sich Eltern eine schriftliche Erklärung geben lassen, zum Beispiel mit dem Inhalt, dass die Lernangebote des Nachhilfeanbieters weltanschaulich neutral sind, weder die Inhaber noch das dort tätige Personal nach umstrittenen Theorien oder Methoden – etwa des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard – arbeiten oder geschult werden, dass das pädagogische Personal keine Kurse und/oder Seminare nach dieser Technik besucht oder besucht hat und die Lehrmethoden Hubbards zur Führung des Nachhilfeinstituts abgelehnt werden.

 

Seriöse Nachhilfeinstitute hätten Verständnis für Fragen und Ängste von Eltern. Nach Einschätzung des Hessischen Kultusministeriums leisteten Nachhilfeanbieter in der Regel gute Arbeit, würden aber nicht staatlich überprüft, da jeder das Recht habe, Nachhilfeinstitute zu gründen und entsprechende Dienstleistungen anzubieten. Solange sich solche Institute nicht freiwillig zertifizieren lassen, werde die Qualität ihrer Arbeit nicht dokumentiert.

 

Für weitere Informationen weist das Kultusministerium auf die Sekteninformation und Selbsthilfe Hessen (SINUS), die Aktion für geistige und psychische Freiheit (AGPF) sowie die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen in Berlin hin: www.sinus-ffm.de; E-Mail sinussekteninfo@sinus-ffm.de; Tel: 07 00/74 68 73 36 und Fax: 07 00/74 68 73 29. Auf der Homepage der Organisation finden Sie unter anderem eine Liste mit Beratungsstellen. Weitere Informationsmöglichkeiten: www.agpf.de sowie der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen unter www.ezw-berlin.de.