Alltag in einer Pflegefamilie
Bildunterschrift:
Christine Schönwetter im Gespräch mit der HR Redakteurin Constanze Schleenbecker. Mit dabei Pia Protzel ,Volker Schönwetter und Britta Wendischhoff (Landkreis Gießen, Fachdienst Jugend und Soziales)
Flexibilität und Fingerspitzengefühl sind gefragt – Oßwald: mehr gesellschaftliche Anerkennung wünschenswert – Landkreis sucht weiter Pflegefamilien
„Es ist schon vorgekommen, dass wir ein Kind in Notpflege übernommen haben und gleichzeitig die 29 Hühner und Gänse dieses Kindes in unserem Haushalt zu versorgen hatten. Es war nur gut, dass wir zu der Zeit auf einem Bauernhof gewohnt haben“, so beschreibt Christine Schönwetter den Alltag einer Pflegemutter anlässlich des Informationsbesuches des Ersten Kreisbeigeordneten und Sozialdezernenten Dirk Oßwald. Der für das Jugendamt und somit auch für den Pflegekinderdienst im Landkreis zuständige Dezernent hat sich kürzlich gemeinsam mit Britta Wendischhoff, Fachberaterin beim Kinderpflegedienst des Landkreises, über die Situation in einer Pflegeelternstelle informiert. Eingeladen hatte die Pflegemutter Christine Schönwetter, die seit 14 Jahren Pflegekinder in ihrem Haushalt in Laubach betreut. „Es gibt Situationen, in denen Kinder nicht bei Ihren leiblichen Eltern bleiben können. Ich bin sehr froh, dass es für solche Fälle Pflegeeltern wie die Familie Schönwetter gibt“, erklärte Dirk Oßwald.
Wenn sich im Landkreis Gießen lebende Eltern aufgrund von Notsituationen oder familiärer Krisen nicht um ihre Kinder kümmern können, bemüht sich das Kreisjugendamt von behördlicher Seite um das Wohl dieser jungen Menschen. Sofern das Kinder weder bei Verwandten untergebraucht werden kann, noch eine Heimunterbringung in Frage kommt, greift das Jugendamt auf einen Pool von privaten Betreuungspersonen, den sogenannte Pflegefamilien, zurück. „Zurzeit werden im Landkreis 129 Kinder bei 95 Pflegefamilien betreut“, betonte Britta Wendischhoff.
Christine Schönwetter und Ihr Mann sind eine der Pflegefamilien im Landkreis Gießen. Sie haben in den vergangenen 14 Jahren 17 Kinder betreut. „Unser jüngstes Kind war zwei Tage alt, das Älteste war eine dreiundzwanzigjährige Mutter mit Ihrer vierjährigen Tochter.
Mit Stolz können Sie berichten, dass sie zu allen Kindern noch Kontakt haben. Auf die Frage des Sozialdezernenten, was Pflegeeltern auszeichnet, antwortet Christine Schönwetter: „Sie müssen flexibel sein. Wenn der Anruf des Jugendamtes kommt, ist manchmal noch rund eine Stunde Zeit bis der junge Mensch über ihre Türschwelle tritt. Die Kinder sind oft in einer körperlich und seelisch schlechten Verfassung. Hier ist sehr viel Einfühlungsvermögen gefragt, um ihnen das Gefühl von Schutz und Geborgenheit zu vermitteln“.
Auf die Nachfrage, was sich für Pflegefamilien in der Gesellschaft verbessern könnten, merkt Christine Schönwetter an, dass Sie sich mehr Anerkennung der Menschen für die Situation einer Pflegefamilie wünschen würde. Teilweise distanziere sich die Gesellschaft von Familien mit mehreren Kindern. „Eine unschöne Situation für uns als Pflegeeltern und eine viel schlimmer Erkenntnis für die Kinder“.
„Es ist eine sehr wichtige Aufgabe, die Sie als Pflegeeltern wahrnehmen. Dazu ist es sehr wichtig, dass Sie für Ihre Arbeit auch die entsprechende gesellschaftliche Anerkennung erfahren. Dafür werde ich mich in Zukunft verstärkt einsetzten“, erklärte Dirk Oßwald.
Der Bedarf an geeigneten Pflegestellen im Landkreis Gießen ist groß. Somit ist das Jugendamt verstärkt auf der Suche nach Menschen, die es sich zutrauen, ein Pflegekind für einen bestimmten Zeitraum bei sich aufzunehmen. Anders als bei der Adoption bemüht sich das Jugendamt, das Kinder wieder in ihre Herkunftsfamilien zurückkehren, sofern sich die Situation dort wieder verbessert hat.
Bildunterschrift:
Christine Schönwetter im Gespräch mit der HR Redakteurin Constanze Schleenbecker. Mit dabei Pia Protzel ,Volker Schönwetter und Britta Wendischhoff (Landkreis Gießen, Fachdienst Jugend und Soziales)
Wer sich näher informieren möchte, wendet sich an den Fachdienst Jugend des Landkreises Gießen. Kontakt: Britta Wendischhoff, Riversplatz 1-9, Haus G, Zimmer G131, Tel.: 0641/9390-9211, britta.wendischhoff@lkgi.de.








