Mitarbeitern der Kreisverwaltung wird die Vereinbarkeit von Familie und Arbeitsplatz jetzt noch einfacher gemacht
von links: Tanja Siegel mit Tochter Zoe, Julia Damm mit Sohn Luis, Lara und Fiona, Landrätin Anita Schneider sowie Lamha Bender mit Sohn Henry vor den Gebäuden der Kreisverwaltung an der Automeile.
Eine Broschüre informiert über Möglichkeiten und Hintergründe aller relevanten Fragen
Gießen. Teilzeitbeschäftigungen und flexible Arbeitszeiten sind nichts Neues. Auch bei der Gießener Kreisverwaltung gibt es für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit langem vielfältige Möglichkeiten, Familienverpflichtungen und Beruf „unter einen Hut“ zu bekommen. Die Bemühungen um eine familienbewusste Personalentwicklung der Verwaltung wurden im März dieses Jahres sogar mit dem Zertifikat „audit berufundfamilie“ der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung belohnt. Was allerdings neu ist, ist eine Broschüre, auf die alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter jetzt zurückgreifen können und in der sie sich über alle Fragen von Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder Pflege informieren können.
„Es waren häufig ähnliche Fragen, die die Mitarbeiter an die Kollegen vom Fachdienst Personal gestellt haben. Da lag es auf der Hand, Unsicherheiten in einer Broschüre darzulegen und auszuräumen“, erklärt Fachdienstleiter Thomas Knoblauch einen Grund für das neue Werk. Entstanden ist also ein Heft, welches Antworten gibt auf Ungewissheiten wie „Sind Überstunden während der Schwangerschaft erlaubt?“, „Kann nicht beanspruchte Elternzeit übertragen werden?“ oder „Wie lange kann die Dauer der Pflegezeit vom pflegebedürftigen Angehörigen sein?“. Darüber hinaus hält es Adressen von Anlaufstellen für diverse Lebenslagen bereit und berichtet über Hinweise zum Wiedereinstieg in die Berufstätigkeit nach längerer Abwesenheit sowie über Möglichkeiten der Fortbildung.
„Die individuelle Familiensituation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen wir respektieren und die Arbeitsbedingungen soweit es geht anpassen. Wenn die Beschäftigten eine Balance zwischen dienstlichen und persönlichen Interessen gefunden haben, steigt auch die Motivation und damit Leistungsfähigkeit“, begründet Landrätin Anita Schneider ihren Einsatz für mehr Familienfreundlichkeit innerhalb der Kreisverwaltung. Ein positives Arbeitsumfeld könne zudem dazu beitragen, qualifiziertes Personal dauerhaft als Mitarbeiter zu halten. Langfristig gesehen und vor dem Hintergrund des drohenden Fachkräftemangels werde sich dieser Einsatz also auszahlen, ist sie sich sicher.
Von den großzügigen Entgegenkommen seitens des Arbeitgebers profitieren derzeit unter anderem Lamha Bender und Tanja Siegel. Die beiden Mitarbeiterinnen des Wasser- und Bodenschutzes arbeiten beide in Teilzeit. Während Tanja Siegel gleich nach der kurzen Mutterschutzphase die Arbeit wieder aufgenommen hat, hat ihre Kollegin Lamha Bender bei beiden Kindern die Elternzeit in Anspruch genommen und die erste Pause zudem zur Fortbildung genutzt und ihre Prüfung zur Verwaltungsfachwirtin abgelegt. „Bei uns in der Abteilung klappt das mit der flexiblen Arbeitszeit ganz prima“, berichtet Lamha Bender, als ihre Kinder Fiona und Henry sie ausnahmsweise wegen des Fototermins im Büro am Riversplatz besuchen. „Wir sprechen uns untereinander gut ab und können auch tageweise ganz zu Hause bleiben“, fügt sie zufrieden hinzu.
Auch Julia Damm, die als Schulsekretärin in der Grundschule in Mainzlar tätig ist, lobt das Entgegenkommen ihres Arbeitgebers: „Derzeit bin ich wieder im Mutterschutz, weil in wenigen Wochen mein zweites Kind geboren wird. Einen besseren Arbeitgeber als den Landkreis oder generell den Öffentlichen Dienst kann ich mir kaum vorstellen.“ Kurz nachdem ihr Sohn Luis vor fast zwei Jahren geboren wurde, fing sie ihren neuen Job im Schulsekretariat an – ein Glücksgriff, wie sie sagt.
Dass der Fachdienst Personal jetzt ein informatives Heft zusammengestellt hat, kann Lamha Bender nur begrüßen, denn bislang hätten sich werdende Mütter vor allem bei ihren Kolleginnen erkundigt, wo man welchen Antrag abgeben muss und welche Fristen einzuhalten sind, wenn man die Zusicherungen des Arbeitgebers annehmen möchte. „Es ist gut, dass das jetzt alles nachzulesen ist. Und auch, dass zwischen Beamten und Angestellten unterschieden wird“, sagt Tanja Siegel als zweifache Mutter. Als ihre Tochter Zoe vor gut einem Jahr geboren wurde, galten nämlich andere Regelungen als bei Tochter Lara, die heute schon fünf Jahre alt ist. Deswegen kennt sie die bürokratischen Hürden, die mitunter auftauchen, gut.
Die neue Broschüre, die allen Mitarbeitern des Landkreises Gießen zur Verfügung steht, kommt so gut an, dass sie derzeit schon nachgedruckt wird, weil sie schnell vergriffen war. „Wir wollen jeden versorgen. Deswegen lassen wir jetzt nachdrucken“, erklärt Fachdienstleiter Thomas Knoblauch voller Zufriedenheit über die große Nachfrage, die gleichzeitig belegt, dass ein Info-Heft dieser Art den sozialen Anforderungen des Arbeitslebens gerecht wird.








