Schmallenberg-Virus bei Schafen, Ziegen und Rindern
Bildunterschrift:
In dieser Herde ist die Schafswelt in Ordnung. Immer häufiger werden stark missgebildete Lämmer geboren. Der Landkreis Gießen sucht Halter, bei denen es solche Vorfälle gab.
Bildnachweis:
Dr. Henrik Wagner (Klinik für Geburtshilfe, Gynäkologie und Andrologie der Groß- und Kleintiere mit Tierärztlicher Ambulanz der Justus-Liebig-Universität Gießen)
Veterinäramt des Landkreises sucht Tierhalter für Krankheitsüberblick
Im Landkreis Gießen kommt es seit kurzer Zeit bei Schafen gehäuft zu Schwergeburten durch stark missgebildete Lämmer. Dies wurde bei der Bezirksveranstaltung für Schaf- und Ziegenhalter des Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen (LLH) in Hüttenberg festgestellt. Das Virus wurde erstmalig Ende des vergangenen Jahres in Deutschland bei einem Rind aus Schmallenberg (Nordrhein-Westfalen) isoliert und wird deshalb vorläufig als Schmallenberg-Virus bezeichnet. Nach Ansicht des Friedrich-Löffler-Instituts, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit, ist nicht von einem Risiko für den Menschen auszugehen. Halter von Schafen, Ziegen und Rinder werden bei vermehrtem Auftreten von missgebildeten Lämmern oder Kälbern gebeten, das Amt für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zu informieren. Dies soll einen Überblick über das Krankheitsgeschehen im Landkreis Gießen ermöglichen, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Dirk Oßwald als zuständiger Verbraucherschutz-Dezernent in einer Pressemitteilung.
Der Erreger wird durch Gnitzen, also winzig kleine Stechmücken, übertragen. Es gibt bislang keine Anzeige- oder Bekämpfungspflicht, da die Krankheit vorher in Europa noch nicht aufgetreten ist. Weil der Infektionsweg und die Ausbreitung des Erregers noch nicht vollständig bekannt sind, können auch keine gezielten Vorsichts- oder Bekämpfungsmaßnahmen eingeleitet werden. „Wir gehen aber davon aus, dass noch weitere Krankheitsfälle bei Schafen, Rindern und auch Ziegen auftreten“, sagt die für die Tierseuchenbekämpfung zuständige Amtstierärztin Dr. Stefanie Graff. Bei vermehrtem Auftreten von missgebildeten Lämmern oder Kälbern werden die Halter gebeten, sich an das Veterinäramt zu wenden (Rodheimer Str. 33, 35398 Gießen, Tel. 0641-93906200, E-Mail: poststelle.avv@lkgi.de, Fax 0641-93906214).
Das Friedrich-Löffler-Institut hatte in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sowie aktuell auch in Hessen in diesem Zusammenhang ein sogenanntes Orthobunya-Virus nachgewiesen, dem das Schmallenberg-Virus zugeordnet wird. Die Verbreitung bei Schafen wird jetzt erst offensichtlich, da die Ablammsaison begonnen hat. Nach einer Instituts-Mitteilung sind die Missbildungen eine Spätfolge der Infektion zu einem frühen Stadium der Trächtigkeit im vergangenen Sommer und Herbst. Das Schmallenberg-Virus ist erstmals im Frühherbst auf rinder- und schafhaltenden Betrieben in den Niederlanden nachgewiesen worden. Im Nachbarland und auch im Rheinland wurden seit August bei Rindern Fälle von hohem Fieber, weniger Milchleistung und auch Lahmheit beobachtet. Schafhalter meldeten missgebildete und totgeborene Lämmer.








